Zwischen Aufbruch und Angst – jede:r Zweite erwartet Jobverluste durch KI in Österreich
KI in Österreich: Zwischen Aufbruch und Angst – jede:r Zweite erwartet Jobverluste durch Künstliche Intelligenz
Neue Ipsos-Studie zur Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz in Österreich zeigt gespaltene Stimmung: Hohe Nutzung trifft auf Unsicherheit am Arbeitsmarkt
Wien, 14. April 2026 – Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag der Österreicher:innen angekommen – doch während viele die Technologie bereits nutzen, bleibt das Vertrauen in ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt begrenzt. Die aktuelle Ipsos-Studie „KI und Jobangst in Österreich 2026“ macht deutlich, dass Fortschritt und Verunsicherung Hand in Hand gehen. Die Bevölkerung zeigt sich offen gegenüber den Möglichkeiten, gleichzeitig aber auch vorsichtig im Hinblick auf mögliche Risiken.
KI im Alltag etabliert – im Job noch zurückhaltend genutzt
Die Nutzung von KI ist in Österreich bereits weit verbreitet. 68 Prozent der Bevölkerung greifen zumindest gelegentlich auf KI-gestützte Anwendungen zurück, rund 22 Prozent sogar regelmäßig. Besonders stark ist die Alltags-Nutzung bei Menschen in Ausbildung – hier liegt sie bei über 90 Prozent. Im Berufsleben oder Ausbildungskontext zeigt sich jedoch ein zurückhaltenderes Bild. Nur 42 Prozent setzen KI-Technologien aktiv im Job oder in der Ausbildung ein. Gleichzeitig erwarten viele, dass sich das in Zukunft ändern wird, was auf eine beginnende, aber noch nicht flächendeckende Transformation der Arbeitswelt hindeutet. Dort, wo KI bereits genutzt wird, unterstützt sie vor allem klassische Wissensarbeit. 58 Prozent nutzen KI für Texterstellung und Zusammenfassungen, 46 Prozent für Übersetzungen und 31 Prozent für Datenauswertung und Analyse. Rund ein Viertel nutzt KI zur Automatisierung von Aufgaben oder als Entscheidungshilfe.
Produktivitätsgewinn ja – aber nicht für alle spürbar
Fast jede:r Zweite erkennt konkrete Vorteile der KI-Nutzung. 47 Prozent sehen in KI eine Erleichterung im Berufsalltag beziehungsweise in der Ausbildung, 42 Prozent im Privatleben. Gleichzeitig bleibt die Skepsis der Österreicher:innen hoch: 19 Prozent sehen keine Entlastung im Job, knapp ein Viertel (24 Prozent) nicht im Alltag.
Auch beim tatsächlichen Nutzen zeigt sich eine Diskrepanz. Nur 19 Prozent empfinden ihr Arbeitspensum durch KI als besser bewältigbar, während 35 Prozent keinen solchen Effekt wahrnehmen.
Gesellschaft gespalten – KI als Chance und Risiko zugleich
Die Wahrnehmung von KI ist in Österreich deutlich polarisiert. Ein gutes Drittel (34 Prozent) sieht KI als persönliche Chance, 20 Prozent als Bedrohung, während 46 Prozent unentschlossen sind. Für die Gesellschaft fällt die Einschätzung noch kritischer aus. Hierbei sehen 29 Prozent Chancen und 26 Prozent Risiken. Die große Gruppe der Unentschlossenen zeigt, dass sich viele Menschen noch in einer Orientierungsphase befinden und die langfristigen Auswirkungen schwer einschätzen können.

Jede:r Zweite erwartet Jobverluste durch KI
Besonders deutlich wird die Verunsicherung beim Thema Arbeitsmarkt. 51 Prozent der Österreicher:innen gehen davon aus, dass KI künftig mehr Jobs ersetzen als neue schaffen wird. Gleichzeitig äußern 20 Prozent konkrete Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz, während 34 Prozent keine solche Ängste haben. Auch die persönliche Betroffenheit wird unterschiedlich eingeschätzt. Nur 22 Prozent glauben, dass viele Tätigkeiten im eigenen Beruf automatisiert oder künftig von Künstlicher Intelligenz übernommen werden könnten, während 40 Prozent dies eher ausschließen.
„Wir sehen hier eine typische Übergangsphase: Künstliche Intelligenz wird bereits genutzt und als hilfreich erlebt, gleichzeitig fehlt vielen noch die Sicherheit, wie sich die Technologie langfristig auf den eigenen Arbeitsplatz auswirkt“, sagt Alexander Zeh, Studienautor bei Ipsos in Österreich. „Diese Unsicherheit erklärt auch, warum die Erwartungen an Jobverluste derzeit höher sind als die wahrgenommene persönliche Betroffenheit.“
Ältere und Geringqualifizierte besonders unter Druck
Die Studie zeigt zudem klare Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen und verdeutlicht, wo die größten Verunsicherungen liegen. 65 Prozent sehen ältere Arbeitnehmer:innen ab 50 Jahren als besonders gefährdet, 52 Prozent gering qualifizierte Arbeitskräfte. Gleichzeitig werden hochqualifizierte Arbeitnehmer:innen (49 Prozent) sowie Führungskräfte (59 Prozent) deutlich häufiger als Gewinner der Entwicklung wahrgenommen. Auch Unternehmen zählen mit 57 Prozent zu den Hauptprofiteuren. Jüngere Arbeitnehmer:innen werden hingegen differenzierter gesehen. Ein Teil (45 Prozent) erwartet Vorteile, gleichzeitig werden auch für diese Gruppe Risiken wahrgenommen (25 Prozent).
Große Unsicherheit trifft auf hohen Weiterbildungswillen
Die rasche Entwicklung der Technologie geht mit einem Gefühl mangelnder Vorbereitung einher. Nur 18 Prozent fühlen sich gut auf die Veränderungen durch KI vorbereitet, während 31 Prozent klar angeben, dafür noch nicht ausreichend gerüstet zu sein. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Verunsicherung im Vergleich zu anderen. 46 Prozent sind der Meinung, dass andere stärker von KI profitieren werden als sie selbst, während nur 10 Prozent diese Einschätzung nicht teilen.

Trotz dieser Unsicherheit ist die Bereitschaft zur Weiterbildung hoch. 46 Prozent der Österreicher:innen sind bereit, sich beruflich weiterzubilden, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Gleichzeitig wird die Verantwortung dafür, dass Arbeitsplätze nicht durch KI gefährdet werden, jedoch in erster Linie staatlichen und institutionellen Akteuren zugeschrieben. So sehen 52 Prozent den Staat oder die Politik in der Pflicht, 35 Prozent die Unternehmen und 31 Prozent die Sozialpartner. Nur 29 Prozent sehen die Hauptverantwortung beim Individuum selbst.
Veränderung kommt schnell – Mehrheit erwartet Auswirkungen binnen fünf Jahren
Die Mehrheit der Bevölkerung rechnet mit raschen Veränderungen. 28 Prozent sagen, die Auswirkungen sind bereits spürbar, weitere 36 Prozent erwarten sie innerhalb der nächsten fünf Jahre. Damit wird Künstliche Intelligenz nicht als abstraktes Zukunftsthema, sondern als aktuelle Realität gesehen. Entsprechend rücken langfristige Szenarien in den Hintergrund, während konkrete und unmittelbare Auswirkungen stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung treten.
Die Ipsos-Studie zeigt ein klares Bild: Österreich befindet sich in einer Übergangsphase. KI ist im Alltag angekommen, im Arbeitsleben jedoch noch nicht vollständig integriert. Gleichzeitig prägen Unsicherheit, unterschiedliche Betroffenheit und Zukunftsängste die öffentliche Meinung. Die zentrale Herausforderung wird darin liegen, Vertrauen aufzubauen, Kompetenzen zu stärken und den technologischen Wandel aktiv zu gestalten.