Konsument:innenstimmung Wirtschaftslage vor Sommerbeginn 2026
Konsument:innenstimmung Wirtschaftslage vor Sommerbeginn 2026

Konsument:innenstimmung vor Sommerbeginn: Österreichs Haushalte zunehmend unter Druck

Die zaghafte Erholung ist vorbei: Nach dem Ausbruch des Irankriegs im März 2026 hat sich die Stimmung unter Österreichs Verbraucher:innen dramatisch verschlechtert. Das aktuelle Stimmungsbarometer von Ipsos im Auftrag der EU-Kommission offenbart alarmierende Zahlen: Jeder fünfte Österreicher befürchtet stärkere Teuerungswellen, mehr als ein Drittel der Haushalte kämpft mit einer verschlechterten Finanzlage. Die Sparfähigkeit sinkt, die Kaufzurückhaltung wächst – eine nachhaltige Erholung der Konsumlaune ist nicht in Sicht.

Konsument:innenbarometer der EU-Kommission belegt große Verunsicherung und Kaufzurückhaltung – Inflationssorgen und Wirtschaftspessimismus legten im Jahresvergleich deutlich zu

Wien, 03. Juni 2026 – Die Stimmung unter Österreichs Konsument:innen hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres spürbar verschlechtert. Die aktuellen Ergebnisse des Consumer Surveys der EU-Kommission für Mai 2026 zeigen eine im Vergleich zum Vorjahr deutliche Zunahme der finanziellen Belastung der Haushalte sowie stark gestiegene Inflations- und Wirtschaftssorgen.

Als Teil des Consumer Confidence Barometers (CCB) zählt der Consumer Survey zu den wichtigsten Stimmungsbarometern unter Europas Konsument:innen. Die monatlich im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte Umfrage misst europaweit das subjektive Empfinden der Bevölkerung anhand zentraler Wirtschaftsindikatoren – die Ergebnisse fließen in die Konjunkturprognosen der EU-Kommission ein. Ipsos führt die repräsentative Erhebung monatlich unter 1.500 Konsument:innen in Österreich durch.

Rückblick: Vorübergehende Erholung, dann Rückschlag

Das zweite Halbjahr 2025 sowie der Jahresbeginn 2026 waren geprägt durch eine langsame, aber stetige Erholung aller wichtigen Stimmungsindikatoren, die im Rahmen des Consumer Surveys regelmäßig gemessen werden. Zuvor hatten die multiplen Krisen der vergangenen Jahre zu einem beispiellosen Stimmungseinbruch geführt. Mit Februar 2026 erreichte die Einschätzung der Wirtschaftslage einen relativen Höchstwert innerhalb der letzten zwölf Monate, wenngleich die Stimmungslage weiterhin eher pessimistisch blieb. Mit Ausbruch des Irankriegs hat sich die Stimmung ab März jedoch wieder deutlich verschlechtert: Die Österreicher:innen blicken zum Ende des ersten Halbjahres 2026 so pessimistisch in die Zukunft wie schon lange nicht.

Haushalte berichten von verschlechterter Finanzlage

Die finanzielle Situation der österreichischen Haushalte hat sich im Jahresvergleich merklich verschlechtert. Während im Mai 2025 noch 31% der Befragten angaben, dass sich ihre finanzielle Lage in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert habe, stieg dieser Wert bis Mai 2026 auf 37%. Gleichzeitig sank der Anteil der Haushalte, die eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation verzeichnen konnten, leicht von 16% auf 14%. Auch der Blick nach vorne fällt pessimistischer aus als noch vor einem Jahr. Ein Drittel (33%) der Österreicher:innen erwartet aktuell eine Verschlechterung ihrer finanziellen Lage in den kommenden zwölf Monaten – im Mai 2025 waren es noch 29%. Lediglich 15% rechnen mit einer Verbesserung, während die Hälfte (50%) von einer stabilen Situation ausgeht.

 

Erwartung Wirtschaftslage Österreich und finazielle Lage Haushalt in kommenden 12 Monaten

Wirtschaftsausblick deutlich pessimistischer

Bei der Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Zwar bewerten die Befragten die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen zwölf Monate im Mai  2026 weniger oft negativ als noch vor einem Jahr – der Anteil sank von 78% auf 74%, der Ausblick auf die kommenden Monate hat sich jedoch im Vergleich zu Vorjahr dramatisch verschlechtert: Während im Mai 2025 noch 52% eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage erwarteten, sind es aktuell bereits 57% – ein Anstieg um 5 Prozentpunkte. Nur noch jede:r Zehnte (10%) rechnet mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation.

Inflationssorgen spürbar gestiegen

Auch die Inflationswahrnehmung ist binnen eines Jahres wieder deutlich angestiegen. 44% der Befragten geben an, dass die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten stark gestiegen seien – im Mai 2025 lag dieser Wert bei 38%. Insgesamt nehmen drei Viertel (75%) der Bevölkerung Preissteigerungen wahr (stark oder in Maßen gestiegen). Noch deutlicher zeigt sich die Veränderung bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate: Der Anteil jener, die befürchten, dass die Preise stärker als bisher steigen werden, stieg von 14% auf 21%. Insgesamt rechnen nun zwei Drittel (66%) der Österreicher:innen mit weiter steigenden Preisen – im Vorjahr waren es 57%.

Die Angst vor steigender Arbeitslosigkeit bleibt auf hohem Niveau stabil. Ähnlich wie vor einem Jahr (66%) erwarten 69% der Bevölkerung, dass die Arbeitslosenzahlen in den kommenden zwölf Monaten steigen werden. Allerdings hat sich innerhalb dieser Gruppe die Intensität der Sorge verstärkt: Der Anteil jener, die einen starken Anstieg befürchten, stieg von 17% auf 23%.

 

Konsumzurückhaltung verschärft sich

Vor dem Hintergrund des hohen Inflationsdrucks bleibt auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen weiter niedrig. Nur 12% der Befragten halten den aktuellen Zeitpunkt für günstig, um größere Anschaffungen wie Möbel oder elektronische Geräte zu tätigen. Investitionen werden daher aktuell eher verschoben: 42% der Bevölkerung planen, in den kommenden Monaten weniger für größere Anschaffungen auszugeben. Der Anteil jener, die wesentlich weniger ausgeben wollen, sank von 25% auf 21%. Auch beim Sparen zeigt sich eine veränderte Dynamik: Während vor einem Jahr noch 62% angaben, wahrscheinlich Geld sparen zu können, sind es aktuell nur noch 56%. Der Anteil der Haushalte, die viel sparen können, ging von 13% auf 10% zurück.

Die Ergebnisse des Consumer Surveys zeigen deutlich: Die Konsument:innen in Österreich stehen unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck und sind verunsichert. Aktuell dominieren vor allem pessimistische Zukunftserwartungen. Stark gestiegene Inflationssorgen in Zusammenhang mit der Nahost-Krise und die anhaltende Konsumzurückhaltung lassen auf absehbare Zeit keine nachhaltige Erholung der Konsumlaune erwarten.

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