Welt-Adipositas-Tag 2026
Welt-Adipositas-Tag 2026

Nur 57 Prozent sehen Probleme: Unterschätzen Menschen in Österreich die Auswirkungen von Übergewicht?

Welt-Adipositas-Tag 2026: Die in 14 Ländern durchgeführte Ipsos-Studie offenbart ein mangelndes Problembewusstsein bei Adipositas in Österreich. So besteht laut den Ergebnissen ein geringeres Verständnis für Adipositas als Krankheit, wobei betroffene Menschen auch nur eingeschränkt ärztlichen Rat suchen.

Studie zeigt besorgniserregende Tendenz in Österreich – nur wenige Betroffene sehen ihre Adipositas als medizinisches Problem, trotz WHO-Einstufung als Krankheit

Neue Erkenntnisse aus einer 14 Länder umgreifenden Studie von Ipsos, veröffentlicht am Welt-Adipositas-Tag 2026

Wien, 4. März 2026 – Laut unserer aktuellen Ipsos-Studie geben sich adipöse Menschen in Österreich seltener selbst die Schuld an ihrem Übergewicht als der weltweite Durchschnitt. Das ist ein positiver Schritt in Richtung Abbau von Stigmatisierung. Die Studie zeigt allerdings auch, dass in Österreich ein geringeres Verständnis für Adipositas als Krankheit besteht und dass betroffene Menschen nur eingeschränkt ärztlichen Rat suchen.

Die syndizierte Studie zur globalen Wahrnehmung von Adipositas*, in der die Wahrnehmungen von Menschen mit Adipositas (3.094) und von Menschen ohne Adipositas (11.406) aus 14 Ländern miteinander verglichen wurden, ergab für Österreich das folgende Bild:

 

Keine falschen Vorstellungen, aber fehlende Inanspruchnahme medizinischer Hilfe

  • Nur die Hälfte (51%) der adipösen Menschen in Österreich meint, ihr Übergewicht sei „vermeidbar und von persönlichen Entscheidungen abhängig“, weit weniger als der Durchschnitt in den 14 untersuchten Ländern (66%). Sie sind auch weniger davon überzeugt, dass allein Veränderungen der Lebensweise das Problem lösen können. Nur die Hälfte (50%) war der Ansicht, dass „bei den meisten Menschen eine gute Ernährung und Sport ausreichen, um Adipositas zu besiegen“, wohingegen weltweit fast zwei Drittel (63%) diese Meinung vertraten.

  • Dieses relative Fehlen von internalisiertem Stigma wird aber nicht durch medizinisches Verständnis ersetzt. Obwohl die WHO Adipositas als eine chronische, wiederkehrende Krankheit** einstuft, sehen nur 57% der betroffenen Menschen in Österreich ihr krankhaftes Übergewicht als medizinisches Problem an (gegenüber 71% weltweit). 

  • Die Studie zeigt auch, dass selten ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Während acht von zehn (81%) Personen bereits darüber nachgedacht haben oder dazu geraten wurde abzunehmen, hat nur eine von vier (26%) im vergangenen Jahr wegen ihres Gewichts einen Arzt aufgesucht. 

  • Die Menschen mit Adipositas, die sich in letzter Zeit wegen ihres Gewichts nicht ärztlich beraten ließen, gaben als Hauptgrund an, dass sie es bevorzugten, „das Thema lieber selbst in die Hand zu nehmen“ (32%).

     

Weiterhin Wissenslücken über Gesundheitsrisiken bei Adipositas

  • Trotz der geringeren emotionalen Intensität rund um das Thema Adipositas in Österreich bestehen – genau wie auf globaler Ebene – kritische Wissenslücken über die Gesundheitsrisiken von krankhaftem Übergewicht: Betroffene sahen nur in begrenztem Maße einen direkten Zusammenhang zwischen Adipositas und Typ-2-Diabetes (53%), Herzerkrankungen (52%) und, vor allem, bestimmten Krebsarten (17%).

     

Negative Auswirkungen auf den Alltag zwar weniger spürbar, aber dennoch signifikant

  • Die negativen Auswirkungen von Adipositas machen sich in Österreich in verschiedenen Lebensbereichen bemerkbar, aber die körperliche Belastung scheint schwerer zu wiegen als die emotionale. 

  • 84% der Befragten berichteten, dass sich ihr Gewicht negativ auf ihre Zufriedenheit mit ihrer körperlichen Gesundheit auswirkt, und Menschen mit Adipositas waren 21 Prozentpunkte weniger zufrieden mit ihrer körperlichen Gesundheit als Menschen ohne Adipositas (im globalen Schnitt betrug die Differenz 19 Prozentpunkte).

  • Die große Mehrheit berichtete außerdem, dass sich ihr Gewicht negativ auf ihre körperliche Aktivität / Fitness (86%) sowie Ernährung und Essgewohnheiten (84%) auswirkte.

  • Die Last durch eine von außen wahrgenommene Verurteilung wegen des Übergewichts ist in Österreich jedoch viel weniger ausgeprägt als in den anderen 14 Ländern im Schnitt. In Österreich ist es weniger wahrscheinlich, dass sich Menschen mit Adipositas regelmäßig schämen oder sich minderwertig fühlen (19% im Vergleich zu 35% im globalen Schnitt), oder dass Leute ihnen das Gefühl geben, es fehle ihnen an Selbstbeherrschung oder Willensstärke (20% im Vergleich zu 32% im globalen Schnitt).

     

Roberto Cortese, der die Monitor-Studien zu Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leitet, sagt:

„In Österreich beobachten wir nicht falsche Vorstellungen, sondern eine fehlende Inanspruchnahme medizinischer Hilfe. Es ist eine positive Entwicklung, dass adipöse Menschen sich weniger selbst die Schuld an ihrer Situation geben. Dies geht jedoch einher mit einem Rückzug von professioneller Hilfe, was wiederum sehr besorgniserregend ist. Der Welt-Adipositas-Tag bietet uns die Möglichkeit, das Narrativ umzuschreiben und Adipositas in der Öffentlichkeit als eine komplexe chronische Krankheit zu präsentieren, die Aufmerksamkeit, Aufklärung und professioneller Hilfe bedarf, wie jede andere Krankheit auch.“

 

Den Bericht „Ipsos Global Perceptions of Obesity Study” (Globale Wahrnehmung von Adipositas) mit entsprechenden Grafiken zu diesen Ergebnissen können Sie sich unter folgendem Link ansehen:
https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/news/documents/2026-02/ipsos-global-perceptions-of-obesity-study-supporting-data.pdf.

Weitere Studiendaten, die gegen Aufpreis erhältlich sind, finden Sie unter: https://ipsosrxinsightstore.com/obesity_cardiometabolic/reports/global_perceptions_of_obesity.html

Autor (en)

  • Roberto Cortese
    Roberto Cortese
    Senior Director, Syndicated Healthcare Research

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