Ipsos Bildungsmonitor 2026: Österreicher sehen Reformbedarf im Bildungssystem – Smartphones sollen aus Schulen verbannt werden
Der Bildungsmonitor zeigt: Die Mehrheit der Österreicher ist für ein Smartphone-Verbot in Schulen – die psychische Gesundheit junger Menschen bereitet Sorgen.
Wien, 03. August 2026 – Das österreichische Bildungssystem erhält von der Bevölkerung nur ein durchwachsenes Zeugnis. Zwar bewertet mehr als ein Drittel (36%) der Österreicherinnen und Österreicher die Qualität des Bildungssystems positiv, gleichzeitig sieht rund jeder Vierte das System kritisch. Studienautor Alexander Zeh: „Besonders skeptisch sind die Befragten, wenn es um die Fähigkeit des Bildungssystems geht, soziale Ungleichheiten abzubauen oder junge Menschen ausreichend auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten.“ Das sind die Ergebnisse des aktuellen Ipsos Bildungsmonitor 2026, für den über 1.000 Personen der österreichischen Bevölkerung repräsentativ befragt wurden.
Österreichs Bildungssystem: Mehr Mittelmaß als Begeisterung
Auf die Frage nach der allgemeinen Qualität des österreichischen Bildungssystems vergeben lediglich 5% die Bestnote „sehr gut“, weitere 31% bewerten das System als „ziemlich gut“. Demgegenüber stehen 28%, die das Bildungssystem als „eher schlecht“ oder „sehr schlecht“ einstufen. Mit 33% beschreibt die größte Gruppe die Situation als „weder gut noch schlecht“.
Noch kritischer fällt die Einschätzung bei zentralen Zukunftsfragen aus. Nur 36% stimmen zu, dass das österreichische Bildungssystem dazu beiträgt, soziale Ungleichheiten zu verringern, während 55% dies verneinen. Ähnlich sieht es bei der Vorbereitung auf das Berufsleben aus: Lediglich 33% halten den Lehrplan für ausreichend zukunftsorientiert, 59% sehen das nicht so.
Wo die größten Probleme gesehen werden
Fragt man die Österreicherinnen und Österreicher nach den größten Herausforderungen für das Bildungssystem, steht die Integration von Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache mit Abstand an erster Stelle. 58% nennen diesen Bereich als eine der drei größten Herausforderungen. Dahinter folgen ein veralteter Lehrplan (42%) und der Lehrermangel (34%). Knapp jede bzw. jeder Fünfte (19%) sieht zudem die zunehmende Bedeutung generativer Künstlicher Intelligenz im Unterricht als Herausforderung. Politische oder ideologische Einflussnahme auf die Bildung nennen 16%, die Arbeitsbelastung und sinkende Attraktivität des Lehrerberufs 14%.
Hochschulabschluss bleibt Karriere-Turbo
Trotz Diskussionen über Fachkräftemangel und alternative Bildungswege bleibt der Wert eines Studiums in den Augen vieler Österreicherinnen und Österreicher hoch. Rund 69% sind überzeugt, dass ein Hochschulabschluss dabei hilft, beruflich weiterzukommen. Gleichzeitig halten 41% einen Hochschulabschluss für sehr wichtig, um im Leben erfolgreich zu sein. Die Bevölkerung unterscheidet damit zwischen Karrierechancen und allgemeinem Lebenserfolg.
Passend dazu würden die Österreicher jungen Menschen heute eher den direkten Einstieg ins Berufsleben empfehlen. 36% raten dazu, nach der Schule unmittelbar in die Arbeitswelt einzusteigen, während 24% empfehlen, zuerst ein Studium abzuschließen. Knapp drei von zehn Befragten (29%) würden weder das eine noch das andere ausdrücklich bevorzugen.
Die Bevölkerung sieht viele Herausforderungen für junge Menschen
Als größte Herausforderungen für junge Menschen in Österreich nennen die Befragten vor allem gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. An erster Stelle stehen Migration und Integration (33%). Dahinter folgen Inflation und Lebenshaltungskosten (26%) sowie Mobbing und Gruppenzwang (23%). Ebenfalls häufig genannt werden digitale Abhängigkeit (21%) sowie die Auswirkungen von Social Media und Technologien wie KI (21%). Auch Jugendkriminalität und Sicherheit (20%), psychische Belastungen (18%) und die Leistbarkeit und Verfügbarkeit von Wohnraum (18%) werden von vielen als zentrale Herausforderungen gesehen.
Psychische Verfassung junger Menschen gibt Anlass zur Sorge
Besonders kritisch beurteilen die Österreicherinnen und Österreicher die psychische Gesundheit der jungen Generation. Nur 9% beschreiben diese als gut, während 58% sie als schlecht einstufen. Die körperliche Gesundheit junger Menschen in Österreich wird etwas positiver bewertet, allerdings beurteilen auch hier 47% den Zustand als schlecht und lediglich 16% als gut.
Mehrheit sieht Österreich als sicheren Ort für junge Menschen
Trotz der zahlreichen Sorgen bleibt das Vertrauen in die grundsätzlichen Lebensbedingungen hoch. Zwei Drittel der Befragten (66%) stimmen der Aussage zu, dass Österreich ein sicheres Land für junge Menschen ist. Deutlich kritischer fällt jedoch die Bewertung der digitalen Welt aus: Nur 25% halten Online-Räume in Österreich für junge Menschen für sicher, während 62% widersprechen.
Auch die Zukunftsaussichten werden differenziert betrachtet. Knapp die Hälfte (48%) glaubt, dass junge Menschen in Österreich grundsätzlich eine vielversprechende Zukunft haben. Nur 30% sehen dieselben Chancen jedoch auch für junge Menschen aus einkommensschwächeren Familien. Zudem erwartet nur rund ein Drittel (30%), dass die heutige junge Generation später besser leben wird als ihre Eltern.
Klare Mehrheit für Smartphone-Verbot an Schulen
Besonders deutlich sind die Befragten beim Thema Smartphones. 62% sprechen sich für ein Verbot von Smartphones an Schulen aus. Nur 26% lehnen ein solches Verbot klar ab. Auch strengere Regeln für soziale Medien finden breite Unterstützung. 72% sind der Meinung, dass Kinder unter 14 Jahren keinen Zugang zu sozialen Medien haben sollten – weder innerhalb noch außerhalb der Schule.
Anders sieht es beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz aus: Nur 34% würden KI-Anwendungen wie ChatGPT an Schulen verbieten, während knapp die Hälfte (48%) ein solches Verbot ablehnen. „Die österreichische Bevölkerung unterscheidet damit klar zwischen Smartphones und sozialen Medien auf der einen sowie KI als Lernwerkzeug auf der anderen Seite“, sagt Alexander Zeh, Studienautor bei Ipsos in Österreich.
Beim Blick in die Zukunft zeigt sich eine differenzierte Haltung gegenüber technologischen Entwicklungen. 39% erwarten, dass Künstliche Intelligenz und andere technologische Fortschritte das Bildungssystem sowohl positiv als auch negativ beeinflussen werden. 21% rechnen überwiegend mit positiven Auswirkungen, 30% eher mit negativen Folgen. Die Ergebnisse deuten insgesamt auf eine differenzierte und pragmatische Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich hin.
Ihr Kontakt für Rückfragen zum Ipsos Bildungsmonitor 2026 von Ipsos Austria:
Mag. Alexander Zeh
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