Schule im internationalen Vergleich: Österreicher bewerten ihr Bildungssystem deutlich besser als Deutsche
Schule im internationalen Vergleich: Österreicher bewerten ihr Bildungssystem deutlich besser als Deutsche
Mit Blick auf den bevorstehenden Schulbeginn zeigt ein internationaler Vergleich: Österreich bewertet sein Bildungssystem positiver als Deutschland. Gleichzeitig bleibt die Bevölkerung skeptisch, wenn es um soziale Gerechtigkeit und die Zukunftsvorbereitung junger Menschen geht.
Wien, 27. August 2026 – Pünktlich zum Schulstart zeigt der internationale Vergleich des Ipsos Global Education Monitor 2026: Österreich stellt dem eigenen Bildungssystem zwar kein Spitzenzeugnis aus, bewertet es aber deutlich positiver als Deutschland. Gleichzeitig bleibt die Bevölkerung kritisch, wenn es um die Frage geht, ob Schulen soziale Ungleichheiten abbauen und junge Menschen ausreichend auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten. Die Sorgen um psychische Gesundheit sowie die Forderung nach strengeren Regeln für soziale Medien teilt Österreich hingegen mit vielen Ländern weltweit.
Österreich deutlich zufriedener als Deutschland
36% der Österreicherinnen und Österreicher bewerten die Qualität des heimischen Bildungssystems positiv, 28% negativ. Damit liegt Österreich leicht über dem internationalen Durchschnitt von 33% positiven und 35% negativen Bewertungen. Besonders deutlich fällt der Vergleich mit Deutschland aus: Dort beurteilen lediglich 17% das Bildungssystem positiv, während 52% eine negative Bewertung abgeben.
„Österreich vergibt seinem Bildungssystem zwar keine Bestnoten, steht im europäischen Vergleich jedoch deutlich besser da als Deutschland. Von echter Zufriedenheit kann allerdings auch hierzulande keine Rede sein“, sagt Alexander Zeh, Studienautor bei Ipsos Austria.
Chancengleichheit bleibt Schwachpunkt des Bildungssystems
Besonders kritisch sehen die Österreicherinnen und Österreicher die Rolle der Bildung bei der Verringerung sozialer Ungleichheiten. Nur 36% stimmen zu, dass das Bildungssystem dazu beiträgt, soziale Unterschiede zu reduzieren, während 55% widersprechen. Damit liegt Österreich deutlich unter dem internationalen Durchschnitt von 49% Zustimmung.
Auch bei der Frage, ob junge Menschen ausreichend auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden, fällt das Urteil verhalten aus. Lediglich ein Drittel (33%) hält den Lehrplan für ausreichend zukunftsorientiert. International liegt die Zustimmung bei 44%, während 49% der Befragten Defizite sehen.
Generationen sehen die Herausforderungen der Schule unterschiedlich
Hinter den Gesamtergebnissen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Für die Baby Boomer ist die Integration von Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache mit Abstand die größte Herausforderung für das Bildungssystem. Sieben von zehn Befragten dieser Altersgruppe (70%) nennen dieses Thema. In der Generation Z liegt der Anteil dagegen bei lediglich 43%.
„Während ältere Generationen stärker auf Integrations- und Strukturfragen blicken, beschäftigen junge Menschen vor allem die Zukunftsfähigkeit des Bildungssystems. Der Lehrplan und der Umgang mit neuen Technologien stehen für sie deutlich stärker im Mittelpunkt“, erklärt Zeh. Entsprechend setzen junge Erwachsene andere Prioritäten. Fast jede bzw. jeder Zweite aus der Generation Z (49%) sieht einen veralteten Lehrplan als zentrale Herausforderung. Auch der Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz im Unterricht wird von jungen Menschen häufiger genannt (33%) als von den Baby Boomern (11%). Regional sticht vor allem Salzburg hervor: Dort zählt für 38% der Befragten der Umgang mit KI im Unterricht zu den am häufigsten genannten Herausforderungen für das Bildungssystem.
Psychische Gesundheit ist weltweit die größte Sorge
Die psychische Verfassung junger Menschen bereitet den Österreicherinnen und Österreichern große Sorgen. 58% beschreiben die psychische Gesundheit der jungen Generation als schlecht, nur 9% als gut. Damit fällt die Einschätzung in Österreich pessimistischer aus als im internationalen Durchschnitt, wo 48% die psychische Gesundheit junger Menschen negativ und 18% positiv bewerten.
Damit steht Österreich nicht allein da. Im internationalen Vergleich gelten psychische Belastungen wie Depressionen und Angststörungen als größte Herausforderung für junge Menschen. Weltweit nennen 33% dieses Thema als eines der wichtigsten Probleme der jungen Generation. Besonders stark ausgeprägt ist diese Sorge in Chile (42%), Neuseeland (40%) und den USA (38%).
Schulstart bringt Debatte über Smartphones und Social Media zurück
Zum Beginn des neuen Schuljahres bleibt der Umgang mit digitalen Medien eines der meistdiskutierten Themen. In Österreich sprechen sich 62% für ein Smartphone-Verbot an Schulen aus. Damit liegt Österreich über dem internationalen Durchschnitt von 57%. Noch deutlicher fällt die Haltung gegenüber sozialen Medien aus: 72% sind der Meinung, dass Kinder unter 14 Jahren keinen Zugang zu sozialen Medien haben sollten.
Besonders groß fällt dabei der Generationenunterschied aus. Während insgesamt 62% der Österreicherinnen und Österreicher ein Smartphone-Verbot an Schulen unterstützen, liegt die Zustimmung in der Generation Z bei lediglich 36%. Knapp die Hälfte dieser Altersgruppe (47%) lehnt ein Verbot ab. Bei den Baby Boomern sprechen sich hingegen rund 69% für ein Verbot aus. „Gerade jene Generation, die mit Smartphones aufgewachsen ist, bewertet deren Rolle in der Schule deutlich anders als ältere Generationen. Das zeigt, wie unterschiedlich die Erwartungen an zeitgemäße Bildung mittlerweile sind“, sagt Alexander Zeh.
Die internationale Entwicklung geht in dieselbe Richtung. Weltweit unterstützen durchschnittlich 73% ein entsprechendes Social-Media-Verbot. In 30 von 31 untersuchten Ländern befürwortet die Mehrheit eine solche Regelung. Deutschland ist mit 48% Zustimmung das einzige Land, in dem keine Mehrheit dafür zustande kommt. Zudem ist die Unterstützung für entsprechende Verbote seit 2024 in nahezu allen Ländern gestiegen.
KI wird deutlich differenzierter betrachtet
Während Smartphones und soziale Medien kritisch gesehen werden, fällt die Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz deutlich differenzierter aus. Nur 34% der Österreicherinnen und Österreicher würden KI-Anwendungen wie ChatGPT an Schulen verbieten, fast die Hälfte (48%) lehnt ein Verbot ab. Die Generation Z unterscheidet dabei noch stärker zwischen sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz. Nur 31% würden KI-Anwendungen wie ChatGPT an Schulen verbieten, während 59% ein Verbot ablehnen. Bei den 35- bis 49-Jährigen liegt die Verbotsbereitschaft dagegen bei 40%.
International liegt die Zustimmung zu einem KI-Verbot mit 39% nur leicht höher als in Österreich. „Statt Technologie grundsätzlich abzulehnen, entwickeln viele Menschen klarere Vorstellungen davon, welche digitalen Werkzeuge im Bildungsbereich sinnvoll eingesetzt werden können“, sagt Stephanie Zwetzbacher, Insights Consultant bei Ipsos Austria.
Österreich gilt als sicherer Ort für junge Menschen
Trotz vieler Sorgen blickt die österreichische Bevölkerung auf die grundlegenden Lebensbedingungen vergleichsweise positiv. Zwei Drittel (66%) stimmen der Aussage zu, dass Österreich ein sicherer Ort für junge Menschen ist. Im internationalen Durchschnitt liegt dieser Wert lediglich bei 48%.
Deutlich kritischer wird allerdings die digitale Welt bewertet: Nur 25% der Österreicherinnen und Österreicher halten Online-Räume für junge Menschen für sicher. Diese Skepsis spiegelt einen internationalen Trend wider. Weltweit bewerten lediglich 33% digitale Räume als sicher, 59% halten sie für unsicher.
Studium verliert in Österreich an Selbstverständlichkeit
Obwohl 69% der Österreicherinnen und Österreicher überzeugt sind, dass ein Hochschulabschluss beim beruflichen Weiterkommen hilft, würden mehr Menschen jungen Erwachsenen den direkten Einstieg ins Berufsleben empfehlen (36%) als ein Studium (24%).
International zeigt sich das Gegenteil: Im Durchschnitt der 31 untersuchten Länder würden 49% zuerst ein Studium empfehlen, nur 16% den direkten Berufseinstieg. Deutschland und Großbritannien sind die einzigen Länder, in denen der direkte Einstieg in die Arbeitswelt häufiger empfohlen wird als ein Universitätsbesuch. Österreich liegt damit näher bei Deutschland als beim globalen Mainstream.