Europawahl: Wähler wollen kein Risiko

Wien, 21. Mai 2019. In wenigen Tagen wählt Europa ein neues EU-Parlament. Laut einer aktuellen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos glaubt mehr als jeder dritte (35%) Europäer, dass es bei Europawahlen zu riskant ist, politische Parteien zu wählen, die radikale Veränderungen planen und bisher noch nicht an der Macht waren – nur 21 Prozent der Befragten sind anderer Meinung.

Europawahl: Wähler wollen kein Risiko
Wien, 21. Mai 2019. In wenigen Tagen wählt Europa ein neues EU-Parlament. Laut einer aktuellen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos glaubt mehr als jeder dritte (35%) Europäer, dass es bei Europawahlen zu riskant ist, politische Parteien zu wählen, die radikale Veränderungen planen und bisher noch nicht an der Macht waren – nur 21 Prozent der Befragten sind anderer Meinung.
Geringes Interesse und große Wissenslücken
Viele EU-Bürger geben zu, kaum oder gar kein Interesse an Europawahlen zu haben. Aktuell interessiert sich nur jeder zweite Europäer (50%) für die bevorstehende EU-Wahl, auf fast genauso viele Befragte (44%) trifft dies nicht zu. In Italien (65%), Polen (63%) und Ungarn (56%) ist das Interesse noch am größten, für Franzosen (44%), Belgier (41%) und Briten (36%) ist der Wahlausgang am wenigsten relevant.
Darüber hinaus sind sich viele EU-Bürger gar nicht bewusst, dass sie europäische Politik mit ihrer Stimme beeinflussen können. Nur jeder zweite Wahlberechtigte (51%) weiß, dass die Mitglieder des Europäischen Parlaments direkt von den Bürgern des jeweiligen Mitgliedsstaats gewählt werden, den sie vertreten.
Vorteile für das eigene Land
Die Bürger fast aller Länder denken, dass die EU ihr Land gestärkt hat: gesamt 41% denken, dass ihr Land durch das Projekt EU stärker geworden ist als es ohne die EU wäre – nur 24% glauben, dass es schwächer geworden ist. Gestärkt sehen sich am meisten Polen (62% gestärkt vs. 12% geschwächt), Ungarn (55% vs. 18%) und Spanien (47% vs. 16%). Geschwächt sehen sich durch die EU vor allem Italiener (28% vs. 38%), Franzosen (25% vs. 35%) und Serben (24% vs. 30%).
Hohe Anforderungen an die EU
Die EU-Bürger wünschen sich von der EU für die nächsten Jahre, dass sie Armut und soziale Ungleichheit reduziert (46%), dass gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus vorgegangen wird (37%), Umweltschutz (37%) erlangt im Vergleich zur Studie 2017 eine viel höhere Priorität, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze (36%) aber auch ein Eindämmen der illegalen Einwanderung aus nicht EU-Ländern (36%).
Pro- und antieuropäisch ausgeglichen
Fast jeder vierte EU-Bürger (23%) ist der Ansicht, dass antieuropäische Kräfte im eigenen Land an Zuspruch gewinnen werden. Etwa ebenso viele Befragte (24%) sind gegenteiliger Auffassung, eine Mehrheit von 53 Prozent ist in dieser Frage unentschlossen. In Italien rechnen besonders viele Wählerinnen und Wähler (42%) mit einem Erfolg europakritischer Parteien, in Spanien hingegen besonders wenige (13%).
Große Unzufriedenheit mit der Demokratie
Viele Wählerinnen und Wähler sind unzufrieden mit der Art und Weise, wie Demokratie in der EU funktioniert. Rund ein Drittel aller europäischen Befragten (31%) gibt an, mit der gegenwärtigen Funktionsweise der EU unzufrieden zu sein. Nicht einmal drei von zehn EU-Bürgern (29%) sind zufrieden, vier von zehn Personen (40%) äußern sich neutral oder wissen es nicht. Am gravierendsten ist die Unzufriedenheit unter Franzosen (41%) und Briten (39%), am EU-freundlichsten sind die Befragten aus Polen.
Karoline Sederl-Bartosch Geschäftsführerin von Ipsos Österreich, zu den Studienergebnissen: »Das Interesse an der Europawahl ist gering und selbst in Ländern wie Frankreich, Belgien und Deutschland gibt es viele EU-Skeptiker. Dieses Desinteresse an der Wahl und die Kritik bedeuten jedoch nicht, dass man keine Erwartungen an die EU hegt. Die WählerInnen erwarten sich von der EU, dass sie in Fragen der sozialen Ungleichheit, Kriminalität, Wirtschaft, Umweltschutz und Immigration viel bewegt. Erst eine sichtbare, bürgernahe Arbeit in diese Richtungen wird die EU in ein besseres Licht rücken.«
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Über Ipsos:
Ipsos ist ein unabhängiges und innovatives Markt- und Meinungsforschungsinstitut. In einer sich immer schneller verändernden Welt ist es unsere Aufgabe, unsere Kunden mit präzisen und umsetzbaren Analysen bei ihrer Veränderung zu unterstützen. Dabei orientieren wir uns an den »4S«: Security, Simplicity, Speed und Substance. Um unseren Kunden bestmöglichen Service zu bieten, haben wir die große Bandbreite unserer Expertise in 18 Service Lines zusammengefasst. Und das in 89 Ländern auf allen Kontinenten.
Methode: Die Ergebnisse stammen aus der Global Advisor-Studie »The European Project: 2019 European Elections«, die zwischen dem 22. März und 05. April 2019 in 28 Ländern durchgeführt wurde – darunter die EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien, Schweden, Polen und Ungarn. Bei der Online-Befragung wurden insgesamt 19.531 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren in China, Israel, Kanada, Malaysia, Südafrika, den USA und der Türkei interviewt. In Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Mexiko, Peru, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Serbien, Südkorea, Spanien, Schweden, und Ungarn waren die Befragten 16-74 Jahre alt.
Etwa 1000 Personen wurden in Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Spanien, Great Britain, und den USA befragt. Etwa 500 Personen befragten wir in Argentinien, Belgien, Chile, Indien, Kolumbien, Mexico, Malaysia, Niederlande, Peru, Polen, Russland, Serbien, Südafrika, Südkorea, Schweden, Ungarn und der Türkei.
Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt. In 17 der 28 untersuchten Ländern ist die Internetdichte groß genug, um die Stichproben als repräsentativ für die nationale Bevölkerung anzusehen.
Brasilien, Chile, Kolumbien, Indien, Malaysia, Mexiko, Peru, Russland, Serbien, Südafrika und die Türkei haben eine niedrigere Internetdichte; diese Stichproben sollten nicht als bevölkerungsrepräsentativ angesehen werden. Sie repräsentieren stattdessen den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung, die aufstrebende Mittelklasse. Diese stellt allerdings eine wesentliche soziale Gruppe dar, wenn es darum geht, diese Länder verstehen zu lernen.
Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an Rundungen durch die computerbasierte Zählung, erlaubte Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von „weiß nicht/keine Angabe“ Nennungen.

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