Food & Beverage Trends - inklusive Schweizer Beispielen

In diesem Podcast und Bericht befassen wir über uns mit globalen und Schweizer Food & Beverage Trends. Darüber hinaus gehen wir auf die Auswirkungen der Covid-19-Situation auf das Essen und Kochen zu Hause und ausser Haus ein.

The author(s)

  • Marion-Anne Cattaneo Market Strategy Understanding & Innovation, Switzerland
  • Martin Fenböck Client Service Organisation, Switzerland
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Podcast: 10 Minuten (auf Englisch)

Sind Food Trends für Sie und Ihr Unternehmen relevant?

Wir unterstützen Sie sehr gerne - wenden Sie sich einfach an uns, wenn Sie mehr erfahren möchten. Wir bieten auch Workshops, agile Sprints und Präsentationen zu diesen Themen an, die auf Sie und Ihre Teams zugeschnitten sind.

Food Trends Report

Ipsos_Food Trends PodcastAnbei finden Sie unseren Bericht über Food Trends. Er enthält unser Ipsos-Thought Leadership in Kombination mit globalen und lokalen (Schweizer) Beispielen und basiert auf wichtigen Ipsos-Studien und Berichten zu Food-Trends. 

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Covid-19-Situation?

Aus den jüngsten Ipsos-Studien (Vergleich der Situation vor Covid mit der aktuellen Situation) konnten wir feststellen, dass Werte über Jahre hinweg stabil bleiben und nicht von der Covid-19-Pandemie betroffen sind. Andererseits werden einige Aspekte beinflusst, von denen viele für die Lebensmittelindustrie positiv sind: Überlegungen zum Thema Gesundheit, Bedeutung und Rolle von Marken, Einstellungen zu Klima, Nachhaltigkeit und Ungleichheit in der Gesellschaft. Weitere Auswirkungen beschreiben wir in diesem Artikel und in unserem Food Trends Report.

Allgemeine Trends und Werte

Ipsos_Food Trends Podcast Cases"Macro Forces" sind die langfristigen Verschiebungen, die über alle Märkte und Gesellschaften hinweg auftreten. "Macro Forces" wirken in der Regel langsam auf menschliche Überzeugungen, Trends und Signale ein. Sie bilden den Kontext, in dem Menschen und Organisationen agieren. Am anderen Ende der Skala sind Signale lokalisiert. Diese sind kurzfristiger Ausdruck von Veränderungen. Sie können auf der Ebene eines einzelnen Landes oder einer Gemeinschaft auftreten. In der Mitte befinden sich Trends: Dabei handelt es sich um kulturelle Einstellungen und Werte, die sich aus der Interaktion zwischen Menschen und dem Planeten ergeben. Trends können als Reaktion auf Macro Forces und Signale entstehen und werden Teil der Mainstream-Kultur.

Allgemeine Food-Trends in Bezug auf Gesundheit und Umwelt

Ipsos_Food Trends Podcast Thought LeadershipDie Mehrheit der Weltbevölkerung macht sich grosse Sorgen um die Umwelt und unsere Gesundheit. Es wird davon ausgegangen, dass Gesundheit hauptsächlich in der Verantwortung des Einzelnen liegt, da die Veränderung der Ess- und Trinkgewohnheiten greifbar ist und diese für die Verbraucher einfacher zu handhaben sind. In Bezug auf Umweltthemen wird davon ausgegangen, dass eine gemeinsame Verantwortung des Einzelnen, der Politiker und der Gemeinschaft besteht.

Nachhaltigkeit & Umwelt

  1. Initiativen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen, z.B. Food Waste Apps wie Too Good to Go. Weitere Informationen finden Sie auch in unserer neuesten Ipsos-Publikation: "What the Future: Waste".
  2. Nachhaltige Verpackung: Die Verpackungsindustrie kann den Konsumenten dabei helfen, mehr zu recyceln. Insbesondere indem Richtlinien und Kommunikation des Recyclings intuitiver und einfacher gestaltet werden. Dies könnte sogar dazu führen, dass es in einzelnen Fällen sogar keine Verpackung mehr gibt (Beispiel für einen grossen Lebensmitteldetailhändler: "Carrefour - bring your own box", kleine lokale Händler "Ganzohni" oder diverse "Re-fill" Konzepte).
  3. Transparenz ist entscheidend: Damit die Verbraucher Vertrauen aufbauen und den in diesem Artikel genannten Versprechen Glauben schenken können, ist es äusserst wichtig, transparent zu machen, WO ein Produkt hergestellt wird und WER es herstellt, sowie die vollständige Auflistung der Inhaltsstoffe. Sowohl Marken als auch Lebensmitteldetailhändler müssen in einer ehrlichen und authentischen Weise mit ihren Kunden verbunden sein. Ein Beispiel für die Möglichkeit Transparenz zu schaffen ist Yuka - eine App, die Inhaltstoffe analysiert.

Gesundheit & Wellbeing

  1. Meat Replacement - Der Aufstieg von pflanzlichen Produkten als Ersatz für Fleisch, wie das Schweizer Start-up Planted.
  2. Meat Free - Vegetarismus und Veganismus - Was früher ärztlich verordnete Diäten waren, sind zunehmend selbstgewählte Initiativen um sich besser zu fühlen ("Wellbeing") und zu ernähren - wie bspw. die neue Marke von Emmi: Beleaf oder Garden Gourmet von Nestlé.
  3. Reduktion von Zucker & Labelling: Das Verändern der Zusammensetzung eines Produktes ("re-formulation") ist eine der grössten Herausforderungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. So haben z.B. Nestlé und Cereal Partners Worldwide (C.P.W.), das internationale Frühstücksunternehmen von Nestlé und General Mills, begonnen, die Nutri-Score-Kennzeichnung zu verwenden. Nutri-Score ist ein farbcodiertes, freiwilliges Etikettierungssystem auf der Vorderseite der Verpackung, das Nahrungsmittel und Getränke nach ihrem Nährwertprofil klassifiziert. Das System reicht von A (gesündere Wahlmöglichkeiten) bis E (weniger gesunde Wahlmöglichkeiten). Es wurde erstmals 2017 von der französischen nationalen Gesundheitsbehörde eingeführt (hier finden Sie einen Artikel dazu).
  4. Functional Food: Inhaltsstoffe sind zu den Stars vieler Produkte geworden, und es wird erwartet, dass dieser Trend noch mehr zunehmen wird, da die Verbraucher danach streben Krankheiten vorzubeugen.
  5. Natürlichkeit: das Wort "natürlich" kann viele verschiedene Bedeutungen haben und überschneidet sich mit vielen anderen Themen - von "organisch" bis "unverarbeitet".

Auswirkungen der Covid-19-Situation

  1. Ernährung zur Stärkung des Immunsystems: In der Frühphase der Pandemie fokussierten sich Social Media Posts zum Thema Ernährung tendenziell aufs Essen, um dadurch die Gesundheit zu verbessern und das Immunsystem zu stärken. Die Angst in diesem frühen Stadium trieb Menschen dazu, eine Form der Kontrolle über die Situation zu suchen, bzw. ein Sicherheitsgefühl zu erlangen, indem sie Massnahmen ergriffen, um sich gegen das Virus zu schützen, bzw. um vorzubeugen.
  2. "Quarantine Snacking": Es wurden zwei Gruppen von Menschen beobachtet: zum einen diejenigen, die den "Lockdown" als eine Gelegenheit für eine gesunde "Reinigung", bzw. Optimierung ihres Körpers sahen. Als Unterstützung dafür haben sich u.a. gesunden Snacks und Rezepte angeboten. Bei anderen hat die zusätzlich verfügbare Zeit, und das im letzten Punkt 3 beschriebenen Übermass an vorhandenen Lebensmittelvorräten, eher zu einem ungesunden Naschen geführt.
  3. Vorratshaltung und Panikkäufe: Die Unsicherheit trieb einige Menschen dazu, so viele Lebensmittel wie möglich zu horten, was zu Engpässen in den Supermärkten weltweit, bzw. zu einem hohen Mass an Frustration bei den Verbrauchern und zu Kaufbeschränkungen in vielen Supermärkten, führte.
  4. Zunehmend wird auch das Thema Food Safety / Sicherheit von Lebensmitteln auf Social Media diskutiert. Darüber hinaus spielen "Influencer" eine zunehmende Rolle bei der Auslösung von Social-Media-Trends. Dies war auch schon bereits vor Covid zu beobachten.

Essen und Kochen zu Hause

Ipsos_Food Trends Podcast Thought LeadershipEiner der Gründe, warum Kochen und Essen zu Hause zu dauerhaften Gewohnheiten werden könnte, ist, dass Kochen zunehmend als Hobby und nicht als lästige Pflicht wahrgenommen wird. In einem kürzlich erschienenen Bericht von Ipsos im Nahen Osten und Nordafrika wurde beobachtet, dass Menschen im Lockdown versuchten, neue Lebensmittel in ihre eigenen Gerichte zu integrieren, und somit ihre kulinarischen Fähigkeiten zu verfeinern (Ipsos MENA Bericht).

"Foodies" und die steigende Bedeutung des Kochens zu Hause

In den letzten zwei Jahren haben wir bereits einen Anstieg von Menschen erlebt, die als "Foodies" eingestuft werden können. "Foodies" werden als Menschen gesehen, die ein grosses Interesse daran haben, die Welt der Lebensmittel zu erkunden. Diese achten sehr auf Zutaten und Authentizität. Sie kochen und teilen gerne mit den Gästen, genauso wie sie es lieben, selbst gutes Essen zu konsumieren. In englischsprachigen Foren und Diskussionen im Internet haben wir in letzter Zeit erlebt, dass sich mehr und mehr Gespräche um die steigende Bedeutung des Kochens zu Hause drehen.

Essen und Trinken ausser Haus

Ipsos_Food Trends Podcast Thought LeadershipOOH (Out-of-Home) macht ein Drittel des Lebensmittel- und Getränkemarktes in den wohlhabendsten Ländern aus (Ipsos HoReCa Report). Die beiden Bereiche, bei denen dieser Anteil am grössten ist, sind Snacks und Getränke: Kaffee- und Teegeschäfte waren die am schnellsten wachsenden OOH-Verkaufsstellen mit einer Wachstumsrate von 5,1% im Zeitraum 2017-2019. Zu beachten ist auch, dass der OOH-Kanal in allen Getränkekategorien einen grösseren Anteil des Umsatzes als des Volumens ausmacht, was bedeutet, dass die Gewinnspannen höher sind als in Supermärkten und Lebensmittelkanälen im Allgemeinen. Aber bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus war mit dem raschen Wachstum von "Food Delivery" eine grosse Transformation des Foodservice-Geschäfts im Gange. Ipsos-Daten deuten darauf hin, dass es unwahrscheinlich ist, dass das Niveau der Zeit vor der Pandemie des HoReCa und dem Verzehr von Lebensmitteln unterwegs, sofort wieder erreicht wird, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden. Eine Minderheit gab an, sie würde sich 2020 in einem Restaurant wohl fühlen (global 36% basierend auf unserem Essentials Tracker Bericht vom Mai 2020).

  • Kurzfristige Entwicklung: Das Bedürfnis nach Sicherheit verändert das Gastgewerbe: Bspw. der verstärkte Einsatz von Apps durch Restaurants, die ein "Low-Touch"-Erlebnis ermöglichen: Bestellen und bezahlen über die App.
  • Mittel- und langfristige Entwicklung: "Food Experience" wird weiter an Bedeutung gewinnen: Die Schaffung emotionaler Verbindungen und Erlebnisse, die das Markenversprechen widerspiegeln, hat an Bedeutung gewonnen und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Obwohl einige dieser Bereiche im Moment auf "Pause" sind, wird immer noch eine erlebnisorientiertere Zukunft prognostiziert. Dazu gehören Formate wie Markthallen (als Beispiel ein neues Projekt in der Schweiz: Bridge), Personalisierung, Entertainment und den Einsatz von Technologien wie Roboter, KI und 3D-Druck.

The author(s)

  • Marion-Anne Cattaneo Market Strategy Understanding & Innovation, Switzerland
  • Martin Fenböck Client Service Organisation, Switzerland

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