Politik: Erwartungen der Bürger an die Staatsausgaben
Genf, Schweiz – 7. . August 2025 – Ipsos, eines der weltweit führenden Marktforschungsunternehmen, hat Anfang dieses Jahres die Ergebnisse seiner jüngsten internationalen Umfrage zum Populismus, die in 31 Ländern durchgeführt wurde,veröffentlicht. Nach dem ersten Teil „Die Schweiz: Eine Insel der Vernunft in einem Meer des Populismus?“ enthüllen wir nun die Erwartungen der Bürger hinsichtlich der Staatsausgaben. Die Studie zeigt, dass die Schweizerinnen und Schweizer im Gegensatz zu anderen Ländern, darunter auch unsere direkten Nachbarn, zu den finanzpolitisch konservativsten Bürgern der Welt gehören und insbesondere eine Erhöhung der Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung ablehnen.
Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören:
- Nur 35 % der Schweizer befürworten höhere Infrastrukturausgaben (Strassen, Brücken, Strom, Breitband). Dies ist der niedrigste Prozentsatz unter allen 31 von Ipsos befragten Ländern und liegt deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 63 %.
- Schweizer Bürger zeigten auch die geringste Unterstützung (31 %) für höhere Verteidigungsausgaben, verglichen mit 60 % in Deutschland, 53 % in Frankreich und 42 % in Italien. Dieser Unterschied ist höchstwahrscheinlich auf die langjährige Neutralität der Schweiz zurückzuführen.
- Obwohl sie in finanzpolitischer Hinsicht eher konservativ sind, befürwortet eine Mehrheit der Schweizer höhere Ausgaben
- für das Gesundheitswesen (58 %). Dies liegt jedoch weltweit weiterhin unter den niedrigsten Werten, nur Japan weist eine geringere Zustimmung auf, während der weltweite Durchschnitt bei 76 % liegt.
- zur Verringerung von Armut und sozialer Ungleichheit (56 %). Dies liegt unter dem weltweiten Durchschnitt (66 %) und den Werten der Nachbarländer Italien (71 %) und Deutschland (64 %), allerdings über denen Frankreichs (50 %)
- zur Schaffung von Arbeitsplätzen (54 %), was deutlich unter dem Wert der meisten Länder einschliesslich Italien (74 %) und Deutschland (71 %) liegt und nur geringfügig über dem Wert Frankreichs (49 %)
- im Bildungsbereich (z. B. Schulen, Universitäten, Berufsausbildung) (50 %), jedoch deutlich weniger als in Deutschland (81 %), Italien (76 %) und Frankreich (64 %).
- Nur 14 % der Schweizer sind der Meinung, dass die Regierung die Steuern erhöhen sollte, um zusätzliche öffentliche Ausgaben zu finanzieren, ähnlich wie in den Nachbarländern Frankreich (13 %), Deutschland (14 %) und Italien (14 %).
Die Schweiz liegt bei der Zustimmung zu höheren Staatsausgaben in fast allen untersuchten Kategorien durchweg unter dem europäischen und globalen Durchschnitt. „Diese Ergebnisse spiegeln die lange Tradition der Schweiz in Bezug auf eine umsichtige Finanzpolitik und die Präferenz für begrenzte staatliche Eingriffe wider“, sagt Laurent Depouilly, Country Manager von Ipsos Schweiz. „Die Schweizer Bürger schätzen zwar eindeutig soziale Sicherheitsnetze und das Gesundheitswesen, zeigen aber im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn bemerkenswerte Zurückhaltung in ihren Erwartungen an einen Ausbau des Staates. Diese besondere Herangehensweise an die öffentlichen Finanzen ist tief in der politischen Kultur der Schweiz verankert.“