Corona als Katalysator der Transformation

Was bedeutet das für die Arbeitswelt?

The author(s)

  • Dr. Fleur Zbinden-Laros Associate Director
  • Dr. Ingrid Feinstein Employee Relationship Management, Switzerland & Germany
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Die Corona-Krise hat sich massiv auf alle Lebensbereiche ausgewirkt und scheint dabei bereits vorhandene Trends massiv zu verstärken – so auch im Kontext Arbeit. Bereits vor der Krise waren die Digitalisierung und damit einhergehende kulturelle Transformation unserer Arbeitswelt in vollem Gange. Die Pandemie aber hat zu einem radikalen Kurswechsel gezwungen. In kürzester Zeit mussten die interne Arbeitsorganisation sowie die Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten angepasst werden. Ein sehr deutliches Beispiel hierfür ist die plötzliche Umstellung auf Home Office. Aber auch dort, wo Home Office nicht möglich ist, waren Arbeitnehmende stark betroffen durch veränderte Abläufe und Schutzmassnahmen.

Wie wirkt sich diese radikale Disruption aus? Worauf müssen wir uns zukünftig einstellen? Welche Chancen, aber auch Risiken sind zu beachten?

Um zu verstehen, wie Beschäftigte die Krise erleben und wie HR- und Kommunikationsexperten auf die aktuelle Situation blicken, haben wir zwei länderübergreifende Studien Anfang Mai 2020 durchgeführt: Eine repräsentative Umfrage unter insgesamt 5’000 Beschäftigten zwischen 18 und 65 Jahren in 5 Ländern sowie eine Befragung von mehr als 350 HR- und Kommunikationsexperten. Dabei haben wir Fragen gestellt zur allgemeinen Stimmung, Bewertung des Managements und Veränderungen aufgrund der Coronakrise (im Besonderen mit Blick auf Home Office).

Die Stimmung in den schweizer Unternehmen war während der Corona-Krise positiv und von den fünf abgefragten Ländern am wenigsten durch negative Emotionen geprägt. Die überwiegende Mehrheit bewertet die Reaktion ihres Unternehmens auf die Krise positiv: mehr als 4 von 5 Beschäftigten haben das Gefühl, dass ihr Unternehmen in angemessenem Umfang Schritte unternommen hat, um Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu schützen (82%) sowie gleichermassen Unternehmensaktivitäten aufrechtzuerhalten (83%). Rund 85 Prozent befinden, dass ihr Unternehmen sich vorbildlich verhalten hat und haben Vertrauen in die Entscheidungen ihrer Geschäftsführung. Nur bezüglich der Sicherheit des Jobs und des Unternehmens bewerten 1 von 4 schweizer Beschäftigten die Lage als sehr gut und liegen damit zusammen mit Deutschland hinter den angelsächsischen Ländern.

Die Hälfte der schweizer Beschäftigten arbeitete Anfang Mai im Home Office, das sind anteilsmässig mehr Beschäftigte als in Deutschland, aber weniger als in den angelsächsischen Ländern. Die grosse Mehrheit bewertet Home Office grundsätzlich positiv (84%). Im Vergleich zu den anderen Ländern sehen mehr Beschäftigten eine Verschlechterung bezüglich Beziehung mit den Arbeitskollegen (22% vs. 16% im Durchschnitt in den Vergleichsländern) und die Arbeit in einem Team (28% vs. 22% im Durchschnitt in den Vergleichsländern). Zudem polarisiert die Beurteilung der Work-Life Balance noch stärker als in den Vergleichsländern. Für 27% (23% in den Vergleichsländern) hat sich die Work-Life Balance verbessert, sie geniessen es, mehr Zeit für die Familie zu haben, weniger Zeit zu pendeln und in Ruhe arbeiten zu können. Aber für 24% (20% in den Vergleichsländern) hat sich die Work-Life Balance verschlechtert, ihnen fehlen die persönlichen Kontakte, der ruhige Arbeitsplatz ohne Ablenkung und sie haben das Gefühl, dass ihnen Informationen entgehen.

Alles in allem bewerten schweizer Arbeitnehmende ihre veränderte Arbeitserfahrung während der Corona-Krise positiver. Trotzdem erwarten deutlich weniger Experten (66% in der Schweiz im Vergleich zu 90% in Deutschland) und noch weniger Beschäftigte (45% vs. 57% in UK und 56% in USA) Veränderungen für die Art der Zusammenarbeit bzw. ihre eigene Arbeit. Einfach zurückzugehen zum vorherigen Betrieb wird alelrdings schwierig sein. Beschäftigte, die jetzt erlebt haben, dass mehr Selbstorganisation und Flexibilität möglich ist und ihre Arbeit und Work-Life Balance grundsätzlich bereichern, werden zukünftig andere Erwartungen an die Arbeitsorganisation haben. Das Management muss sich auf diese veränderten Erwartungen einstellen und entsprechend Position beziehen. Für eine nachhaltige Veränderung müssen Unternehmen dann einen tiefgreifenden, langfristigen kulturellen Wandel zulassen und durch Investitionen unterstützen - schwerpunktmässig in die Befähigung der Führungskräfte, die eine wichtige Rolle in der Moderation der digitalisierten Zusammenarbeit spielen.

Ipsos Corona als Katalysator

Hier finden Sie weitere Informationen:

Im Whitepaper gehen wir tiefer auf die Hintergründe und unsere Perspektive ein (basierend auf den Ergebnissen in Deutschland).

 

 

 

In unserem Webinar stellen wir Ihnen die Ergebnisse der beiden Studien vor und teilen unsere Perspektive auf das Potenzial und die Herausforderungen in der aktuellen Situation mit Ihnen. Neben Dr. Ingrid Feinstein (Ipsos Deutschland) und Dr. Fleur Zbinden-Laros (Ipsos Schweiz) gibt Prof. Dr. Karsten Müller der Universität Osnabrück eine wissenschaftliche Perspektive. Das Präsentationsdeck des Webinars finden Sie hier.

 

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