Das Ende des Autobesitzes?
Seit Jahren prophezeien Analysten das Ende des Autobesitzes. Fahrdienste würden ihn ersetzen, Carsharing ihn überflüssig machen und autonome Fahrzeuge ihn sinnlos. Doch das Auto hat sich gehalten. Unsere Daten, die von fast 24.000 Menschen in 31 Ländern stammen, bestätigen dies: Das Auto ist nach wie vor präsent, fest im Alltag verankert und wird emotional geschätzt. Was verraten globale Daten über die Zukunft des Autobesitzes – jenseits des bloßen Überlebens?
In 22 der 31 Länder, die wir für unsere Ausgabe 2026 des Ipsos Mobility Monitors untersucht haben, ist das Auto das mit Abstand beliebteste Verkehrsmittel. 43 Prozent der Autobesitzer geben an, ein Leben ohne ihr Fahrzeug sei unmöglich. In den USA liegt dieser Wert bei 65 Prozent, in Frankreich bei 64 Prozent und in Australien bei 51 Prozent. Das sind keine Randzahlen. Sie beschreiben eine Welt, in der das Auto nach wie vor die Norm ist – nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung.
Das Phänomen des „gefangenen Besitzers“
Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine Gruppe, die eine andere Geschichte erzählt. Elf Prozent der Autobesitzer weltweit gaben an, sie würden ihr Auto gern abgeben – können es aber nicht. Wir nennen sie die „gefangenen Autobesitzer“ . In Italien liegt diese Zahl bei 19 Prozent, in Indien und China bei 17 Prozent und in Kolumbien bei 16 Prozent.
Das sind keine Autoliebhaber. Es sind Menschen, die in einem System gefangen sind, in dem Alternativen unzureichend, unerschwinglich oder nicht verfügbar sind. Vergleicht man diese Erkenntnis mit Daten zum öffentlichen Nahverkehr, wird das Bild strukturell deutlich: Die Länder mit der höchsten Autoabhängigkeit sind genau diejenigen, in denen die Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs am geringsten ist. Die USA, Frankreich und Australien weisen hohe Werte für „unmöglich ohne Auto“ bei gleichzeitig relativ geringer Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr auf. Singapur hingegen erreicht nur 21 Prozent bei der Autoabhängigkeit und ist führend in puncto Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs.
Dies ist keine Geschichte über Verbraucherpräferenzen. Es ist eine Geschichte über Infrastruktur. Und sie repräsentiert eine massive, quantifizierbare, ungedeckte Nachfrage nach alternativer Mobilität.
Wo sich die Risse vergrößern
Die Daten zeigen zwei Bruchlinien. Die erste ist generationsbedingt . Jüngere Befragte halten den Besitz eines Autos seltener für notwendig und sind offener für multimodale Lebensstile. Dies ist nicht nur ein Einstellungswechsel, sondern ein struktureller Wandel im Umgang jüngerer Generationen mit Mobilität, insbesondere im urbanen Raum, wo Fahrdienste, E-Bikes und der öffentliche Nahverkehr praktikabel sind.
Der zweite Faktor ist geografischer Natur . Autobesitzer auf dem Land halten ihr Auto deutlich häufiger für unverzichtbar: 60 Prozent beschreiben es als unmöglich, ohne es zu leben, verglichen mit 37 Prozent in städtischen Gebieten und 46 Prozent in Vororten. Bei Stadtbewohnern bevorzugt zwar jeder Zweite sein Auto, räumt aber ein, auch ohne es leben zu können. Die Kluft zwischen Stadt und Land ist nicht nur eine Frage der Einstellung – sie spiegelt grundlegend unterschiedliche Infrastrukturbedingungen wider.
Was das bedeutet
Für AutomobilherstellerDer Autobesitz ist zwar nicht unmittelbar bedroht, doch die emotionale Bindung zum Auto schwächt sich bei jüngeren, urbanen Konsumenten ab . Marken, die ausschließlich das Bild des Autos als Symbol für Freiheit vermarkten, werden zunehmend ihr Ziel verfehlen. | Für MobilitätsanbieterDie 11 % der Autobesitzer, die noch in der Falle sitzen, stellen das unmittelbarste Umstellungspotenzial dar – doch der adressierbare Markt ist weitaus größer. Shared Mobility ersetzt nicht nur den Autobesitz, sondern ergänzt ihn auch . |
Für Regierungen und StädteDie Daten liefern ein klares Mandat: Investitionen in die Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs, Radinfrastruktur und fußgängerfreundliche Stadtplanung. Weltweit befürworten 66 % Radwege, 73 % die Bevorzugung von Fußgängern in Schulzonen. | Für InvestorenDer Strukturwandel vollzieht sich langsam, aber zielgerichtet. Märkte mit der höchsten Autoabhängigkeit und dem schwächsten öffentlichen Nahverkehr sind am anfälligsten für Umbrüche durch alternative Mobilitätsformen. |
This is an automatic translation, for the original version, please click here: https://www.ipsos.com/en-ch/the-death-of-car-ownership
Globaler Service Line Leader, Automotive & Mobility Development, Ipsos
Dies ist die erste Ausgabe des Ipsos Global Mobility Report . Als Langzeitstudie legt sie die Grundlage, anhand derer wir die Transformation der weltweiten Mobilität in den kommenden Jahren messen werden. Das Auto prägte das 20. Jahrhundert. Was das 21. Jahrhundert prägen wird, hängt davon ab, ob die Alternativen endlich aufholen können.
Alexandre De Saint-Léon ist Global Service Line Leader, Automotive & Mobility Development bei Ipsos
Über diese Daten
Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage, die Ipsos zwischen dem 21. November und dem 5. Dezember 2025 auf seiner Online-Plattform Global Advisor in 31 Ländern durchgeführt hat. Ipsos befragte 23.722 Erwachsene im Alter von 18 bis 74 Jahren (in Indien ab 18 Jahren). Die befragten Länder sind: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Neuseeland, Peru, Polen, Singapur, Südafrika, Südkorea, Spanien, Schweden, Thailand, Türkei und die Vereinigten Staaten.