Vertrauensfrage: Nur 8 Prozent der Deutschen halten Politiker für vertrauenswürdig, Ärzte genießen das höchste Vertrauen
Vertrauen gilt als wichtiger gesellschaftlicher Kitt. Doch wem vertrauen die Deutschen noch – und wem nicht mehr? Der aktuelle Ipsos Global Trustworthiness Index offenbart erhebliche Unterschiede in der Wahrnehmung verschiedener Berufsgruppen und gesellschaftlicher Institutionen.
Die Ärzteschaft genießt in Deutschland das größte Vertrauen in der Bevölkerung: Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (58 %) hält Ärzte grundsätzlich für vertrauenswürdig. Dahinter folgen Wissenschaftler und die Polizei mit jeweils 55 Prozent. Politikern und Social-Media-Influencern wird hingegen am wenigsten vertraut.
Am wenigsten vertrauenswürdig: Politiker, Werber, Influencer
Am unteren Ende des Vertrauensrankings finden sich Akteure aus Politik, Werbung und sozialen Medien. Nur 8 Prozent der Deutschen halten Politiker für vertrauenswürdig, zwei Drittel (67 %) stufen sie als nicht vertrauenswürdig ein. Regierungsminister werden mit 11 Prozent etwas besser bewertet. An zweitletzter Stelle liegen Werbefachleute: Lediglich 6 Prozent vertrauen ihnen, 59 Prozent nicht. Das Schlusslicht des Rankings bilden Social-Media-Influencer. Ihnen sprechen nur 5 Prozent der Bundesbürger Vertrauen aus, während drei Viertel (76 %) sie als nicht vertrauenswürdig einstufen.
Schule, Kirche, Presse: Vertrauen ist in Deutschland Mangelware
Die Vertrauenskrise beschränkt sich allerdings nicht auf Politik und Werbung. Auch zahlreiche gesellschaftliche Institutionen und etablierte Berufsgruppen genießen bei den Deutschen nur begrenztes Ansehen. Lediglich zwei von fünf Bundesbürgern (40 %) halten beispielsweise Lehrer für vertrauenswürdig – im internationalen Vergleich zählt Deutschland damit zu den Schlusslichtern.
Nur knapp jeder vierte Deutsche (24 %) hält Geistliche beziehungsweise Priester für vertrauenswürdig. Journalisten und Beamte genießen bei lediglich 22 Prozent der Bundesbürger Vertrauen. Auch in der Wirtschaft ist Vertrauen ein seltenes Gut: Führungskräfte in Unternehmen erreichen mit 17 Prozent ebenfalls nur geringe Zustimmungswerte.
Vertrauen in Mitmenschen höher als in KI-Systeme
Trotz der verbreiteten Skepsis gegenüber vielen Berufsgruppen vertrauen die Deutschen anderen Menschen deutlich stärker als Künstlicher Intelligenz. Knapp ein Drittel der Bundesbürger (32 %) hält die eigenen Mitmenschen für vertrauenswürdig. KI-Chatbots kommen dagegen lediglich auf 13 Prozent, mehr als die Hälfte der Deutschen (56 %) stuft KI-Systeme als nicht vertrauenswürdig ein. Damit zählt Deutschland zu den KI-skeptischsten Ländern weltweit: Nur in den Niederlanden fällt das Vertrauen in Chatbots noch geringer aus (8 %).
Dass die Deutschen ihren Mitmenschen mehr vertrauen als KI, ist allerdings keineswegs selbstverständlich. Insbesondere in einigen asiatischen Ländern schneiden Chatbots ähnlich gut oder sogar besser ab als die eigenen Mitmenschen. Dieses Muster deckt sich mit den Ergebnissen des Ipsos AI Monitor 2026, der insbesondere in Europa und englischsprachigen Ländern eine vergleichsweise ausgeprägte KI-Skepsis feststellt.
Dr. Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland, ordnet die Studienergebnisse wie folgt ein:
Selbst KI-Chatbots genießen in Deutschland mehr Vertrauen als Politiker – eine durchaus bittere Pointe. Hoffnung macht jedoch das hohe Vertrauen in Polizei und Justiz: Die politischen Repräsentanten mögen an Vertrauenskredit verloren haben, die rechtsstaatlichen Institutionen offenbar deutlich weniger. Die jüngsten Wahlergebnisse sollten deshalb nicht vorschnell als Absage an das demokratische System gelesen werden, sondern zunächst als Ausdruck höchster politischer Unzufriedenheit.
Methode
Dies sind die Ergebnisse der Studie The Ipsos Global Trustworthiness Index, die Ipsos über seine Online-Plattform Global Advisor in 31 Ländern durchgeführt hat. Für die Online-Umfrage wurden zwischen dem 19. Juni und dem 3. Juli 2026 insgesamt 23.537 Personen befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.
Zu den 31 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Peru, Polen, Rumänien, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA.
In 18 der 31 befragten Länder ist die Internetdurchdringung so hoch, dass die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung in den untersuchten Altersgruppen angesehen werden können – darunter auch Deutschland.
Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt. Der „globale Länderdurchschnitt“ gibt das durchschnittliche Ergebnis aller 31 Länder wieder, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder angepasst und stellt kein Gesamtergebnis dar.
Die Genauigkeit der Online-Befragungen von Ipsos wird anhand eines sogenannten Konfidenzintervalls berechnet. Eine Umfrage mit N=1.000 weist eine Genauigkeit von +/- 3,5 Prozentpunkten auf, eine Umfrage mit N=500 eine Genauigkeit von +/- 5,0 Prozentpunkten.
Weitere Informationen zur Methodenbeschreibung befinden sich im Studienreport.
In unseren FAQs finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Online-Befragungen und den Online-Panels von Ipsos.