Collage eines diversen Gesichts
Collage eines diversen Gesichts

Menschen mit körperlichen Einschränkungen werden für die am unfairsten behandelte Bevölkerungsgruppe gehalten

Hamburg, 06. Juli 2023 – Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen leiden aus Sicht der Bevölkerung unter allen Minderheiten am häufigsten unter Diskriminierung. 39 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass sie in Deutschland auch heute noch eine ungleiche oder unfaire Behandlung erfahren. Keine andere Personengruppe habe hierzulande mehr mit ungleichen Bedingungen zu kämpfen, so das Ergebnis des „Equalities Index 2023“, in dem das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos in 33 Ländern weltweit die wahrgenommene Ungleichheit in der Gesellschaft ermittelt.

Jeder Dritte beklagt Nachteile für Ältere und Frauen 

Gut jede:r Dritte ist der Ansicht, dass ältere Menschen (35%) und Frauen (33%) in Deutschland einer ungleichen Behandlung ausgesetzt sind, weitere 28 Prozent halten Menschen mit psychischen Erkrankungen für besonders benachteiligt. Auch lesbische, schwule und bisexuelle Menschen (24%) sowie Transgender und nicht-binäre Menschen (20%) werden in der Wahrnehmung vieler Befragter nach wie vor häufig ungleich oder unfair behandelt. Jede:r Fünfte denkt, dass Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind (19%) oder einer ethnischen Minderheit angehören (19%) immer noch Nachteile befürchten müssen. Im Gegensatz dazu sind junge Erwachsene (7%) und Männer (4%) die beiden Personengruppen, bei denen am seltensten eine Ungleichbehandlung angenommen wird.

Auch im globalen Länderdurchschnitt werden Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen (33%) als die am häufigsten diskriminierte Personengruppe eingeschätzt, gefolgt von Frauen (26%), Menschen mit psychischen Erkrankungen (25%) sowie Lesben, Schwulen und bisexuellen Menschen (24%). 

Grafik: Personengruppen, bei denen Ungleichbehandlung am größten ist

Deutsche sehen Regierung und Arbeitgeber in der Pflicht

Vier von zehn Deutschen (41%) halten Ungleichheit verglichen mit allen anderen Sorgenthemen für eines der wichtigsten Probleme im eigenen Land. Die Hälfte (48%) der Befragten denkt außerdem, dass in Deutschland bislang zu wenig unternommen wurde, um die Gleichberechtigung für alle Personengruppen zu fördern. Nur 18 Prozent finden, dass diesbezüglich schon zu viel getan wurde. 

Danach gefragt, wer in erster Linie die Verantwortung dafür trägt, dass Maßnahmen zur Verringerung der Ungleichheit in Deutschland umgesetzt werden, sehen 57 Prozent der Deutschen vor allem die Politik in der Pflicht. Drei von zehn Befragten (30%) denken, dass Arbeitgeber eine große Rolle spielen sollten, wenn es darum geht, Ungleichheit in der Gesellschaft zu reduzieren. Eine etwas geringere Bedeutung bei der Bekämpfung von Ungleichheit wird den Medien (23%), Eltern und Lehrer:innen (17%) sowie Einzelpersonen oder Interessenverbänden (je 16%) zugesprochen.
 

Ältere glauben an Leistungsprinzip, Jüngere sehen strukturelle Probleme

Ebenfalls gefragt wurde, ob die Erfolgschancen von Menschen in Deutschland größtenteils von ihrer Leistung und ihrem Einsatz bestimmt werden oder ob sie eher von strukturellen Faktoren abhängen, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. 41 Prozent der Deutschen glauben, dass die eigene Leistungsbereitschaft hierzulande größere Auswirkungen auf die individuellen Erfolgschancen eines jeden Menschen hat, 31 Prozent halten strukturelle Faktoren für entscheidender. Auffällig ist dabei, dass jüngere Erwachsene häufiger der Meinung sind, dass strukturelle Faktoren eine zentrale Rolle spielen als ältere Befragte. 

Ähnlich verhält es sich auch bei der Frage, wie für einen persönlich eine faire Gesellschaft aussieht. Für die Hälfte der Befragten (49%) ist eine Gesellschaft fair, wenn jeder Mensch die gleichen Chancen erhält. Lediglich 17 Prozent sagen, dass eine Gesellschaft erst dann fair sei, wenn jeder Mensch die gleiche Lebensqualität genieße. Der Anteil der Befürworter:innen dieser Aussage liegt unter jungen Erwachsenen höher als bei älteren Befragten.  
 

Methode

Die Ergebnisse stammen aus der Global Advisor-Studie »Ipsos Equalities Index 2023«. Bei der Online-Umfrage wurden zwischen dem 17. Februar und dem 03. März 2023 insgesamt 26.259 Personen aus 33 Ländern über das Ipsos Online Panel-System interviewt. In Kanada, Südafrika, der Türkei und den USA waren die Befragten zwischen 18 und 74 Jahren alt, in Thailand zwischen 20 und 74 Jahren, in Indonesien und Singapur zwischen 21 und 74 Jahren und in allen anderen Ländern zwischen 16 und 74 Jahren. 

Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Singapur, Spanien, Südkorea, Thailand und den USA umfasste die Stichprobe etwa 1.000 Personen. In Argentinien, Belgien, Chile, Indonesien, Irland, Kolumbien, den Niederlanden, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, Südafrika, der Türkei und Ungarn wurden jeweils etwa 500 Personen befragt. In Indien umfasste die Stichprobe etwa 2.200 Personen.

In 19 von 33 untersuchten Länder ist die Internetdurchdringung ausreichend hoch, um die Stichproben als repräsentativ für die breitere Bevölkerung in den abgedeckten Altersgruppen zu betrachten: Argentinien, Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Polen, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, Südkorea, Ungarn und USA. Die verbleibenden 12 Länder weisen eine geringere Internetdurchdringung auf. Die Stichprobe dieser Länder ist städtischer, gebildeter und/oder wohlhabender als die Allgemeinbevölkerung und sollten so betrachtet werden, dass sie die Ansichten der stärker "vernetzten" Bevölkerungsgruppe widerspiegelt.

Die Daten werden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Marktes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den neuesten Volkszählungsdaten am besten widerspiegelt. 

Der "Globale Länderdurchschnitt" spiegelt das durchschnittliche Ergebnis für alle 33 Nationen wider, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder angepasst. 

Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an Rundungen durch die computer-basierte Zählung, erlaubte Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von „weiß nicht/keine Angabe“ Nennungen.

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