AfD am stärksten mit Vetternwirtschaft assoziiert – viele Deutsche rechnen nicht mit Schaden für die Partei
Die Anstellung von Familienangehörigen stellt in der Politik kein Novum dar, ist nicht auf eine Partei beschränkt und rechtlich zulässig.
AfD an erster Stelle bei Vetternwirtschaft – Unionswählerschaft am selbstkritischsten
Auf die Frage, in welcher Partei Vetternwirtschaft am weitesten verbreitet ist, nennen 32 Prozent der Deutschen zuerst die AfD. Auf Platz zwei rangiert die Union mit insgesamt 27 Prozent: 17 Prozent der Bundesbürger:innen glauben, dass Vetternwirtschaft vor allem in der CDU vorkommt, 10 Prozent in der CSU. Mit Ausnahme von AfD und BSW zeigt sich über alle Parteien hinweg ein ähnliches Muster: Am stärksten wird Vetternwirtschaft mit der AfD assoziiert, an zweiter Stelle liegt die Union. Deutlich seltener werden SPD, Grüne und Linke genannt.
Bemerkenswert ist, dass Unionswähler:innen die meisten Selbstkritik üben. 22 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass CDU oder CSU am stärksten betroffen sind. Auffällig ist zudem, dass die Werte der Schwesterparteien CDU und CSU mit jeweils 11 Prozent gleich hoch sind – obwohl die CSU nur in Bayern antritt.
AfD-Wähler:innen weichen in ihrer Einschätzung deutlich von den Anhänger:innen der anderen Parteien ab. 37 Prozent glauben, dass Vetternwirtschaft am häufigsten in der Union vorkommt. Mit großem Abstand folgen die Grünen (14 %) und die SPD (13 %). Die AfD selbst wird trotz der jüngsten Vorwürfe nur von 11 Prozent ihrer Anhänger:innen mit Vetternwirtschaft in Verbindung gebracht. Damit beträgt der Abstand zwischen Selbstbild und gesamtgesellschaftlicher Wahrnehmung 21 Prozentpunkte – die größte Differenz unter allen Parteien.

Trotz Vorwürfen: Nur ein Drittel erwartet Schaden für die AfD
41 Prozent der Deutschen erwarten keinen Schaden für die AfD infolge der Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Nur 33 Prozent der Bundesbürger:innen rechnen mit negativen Folgen. In den Reihen von Union (47 %), SPD (45 %) und Grünen (42 %) überwiegt die Erwartung eines Schadens. Bei den Anhänger:innen der Linken, des BSW und vor allem der AfD überwiegt hingegen die Einschätzung, dass die Vorwürfe keine negativen Auswirkungen haben werden. Unter den AfD-Wähler:innen schließen 63 Prozent einen Schaden für die Partei aus, nur 17 Prozent befürchten negative Folgen – eine Differenz von 46 Prozentpunkten und damit erneut die größte unter allen Wählergruppen.
Ein direkter Kausalzusammenhang zwischen der Verwandtenaffäre und Veränderungen der Wahlabsicht lässt sich nicht belegen. Parallel dazu zeigt die Ipsos-Sonntagsfrage jedoch einen leichten Trend: Erstmals seit Juli 2025 liegt die Union wieder vor der AfD.
Methode
Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde vom 27. Februar bis zum 1. März 2026 durchgeführt.