Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel mit EU-Emblem und Flaggen der Mitgliedstaaten | Ipsos
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Europas Sicherheit entscheidet sich nicht nur an Waffen – sondern an Akzeptanz

Warum öffentliche Akzeptanz zu einer zentralen Voraussetzung europäischer Verteidigungsfähigkeit geworden ist.

Kann Europa seine Sicherheit künftig stärker selbst garantieren? Darüber diskutierten im Berliner Basecamp Nico Lange, Mitautor des Strategiepapiers Sparta 2.0, Airbus-Chairman René Obermann, der Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter und Dr. Robert Grimm, Director Public Affairs & Opinion Research bei Ipsos in Deutschland.

Die strategische Ausgangslage brachte Nico Lange auf den Punkt: „Wir müssen als Europäer […] Fähigkeiten schaffen, für unsere Sicherheitspolitik eigenständig zu handeln.“ Europa verfüge über Technologie, Industrie und finanzielle Ressourcen – sei bei zentralen militärischen Fähigkeiten aber weiterhin von den USA abhängig.

Dabei gehe es nicht nur um mehr Geld, sondern darum, es anders einzusetzen. Für René Obermann liegt der Schlüssel in einem neuen Zusammenspiel etablierter Unternehmen und neuer Technologieanbieter: „Die Zukunft liegt in Kooperation.“ Moderne Verteidigung wird zunehmend von Software, Daten, Satelliten und autonomen Systemen geprägt. Kein Unternehmen kann diese Fähigkeiten noch allein abdecken.

Doch technologische und militärische Fähigkeiten allein reichen nicht. Verteidigungspolitik braucht gesellschaftliche Mehrheiten. Und die öffentliche Meinung zeigt ein komplexes Bild.

Wie steht die Bevölkerung zu dieser Entwicklung?

Ipsos-Daten zeigen, dass die Sorge vor militärischen Konflikten in Deutschland deutlich ausgeprägt ist. Gleichzeitig konkurriert Sicherheitspolitik mit sehr unmittelbaren Sorgen um Migration, soziale Ungleichheit, Inflation oder Kriminalität (lesen Sie mehr dazu im Ipsos-Sorgenbarometer). Hinzu kommt: Die Wahrnehmung der Bedrohung unterscheidet sich innerhalb Europas erheblich. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Bereitschaft aus, mehr Geld für Verteidigung auszugeben.

Damit wird Kommunikation selbst zu einem Teil der Sicherheitspolitik. Politik muss erklären, warum neue Fähigkeiten notwendig sind, was sie kosten und warum gemeinsames europäisches Handeln sinnvoll ist. Gerade in einer politisch fragmentierten Gesellschaft darf diese Legitimation nicht vorausgesetzt werden.

Anton Hofreiter formulierte es besonders direkt: „Man soll die Leute nicht wie kleine Kinder behandeln, sondern den reinen Wein einschenken.“

Nico Lange ging noch einen Schritt weiter. Sicherheits- und Verteidigungspolitik dürfe nicht allein über Angst und Bedrohung erklärt werden. Es müsse auch darum gehen, wofür wir bereit sind einzustehen: Deutschland und Europa sind es wert, verteidigt zu werden.

Genau hier liegt aus Ipsos-Sicht die entscheidende Herausforderung: Europäische Verteidigungsfähigkeit ist nicht nur eine Frage von Geld, Technologie und Waffen. Sie ist auch eine Frage des gesellschaftlichen Vertrauens – und der Fähigkeit, Menschen davon zu überzeugen, was wir gemeinsam schützen wollen.

Sehen Sie sich hier die Aufzeichnung der Veranstaltung an:

 


Zur Person:

Robert Grimm

Dr. Robert Grimm promovierte an der Manchester Metropolitan University in Soziologie. Seit 2016 leitet er die Politik- und Sozialforschung beim Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos in Deutschland. Davor war er Senior Fellow und Mitbegründer der Denkfabrik Policy Evaluation and Research Institute in Manchester. Dr. Robert Grimm ist außerdem Gastprofessor für Social Policy an der Manchester Metropolitan University.

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