Ukraine-Krieg kratzt am Wohlbefinden der Deutschen

Hamburg, 02. Juni 2022. Die aktuelle Frühjahrs-Welle des Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) zeigt einen spürbaren Rückgang des subjektiv empfundenen Wohlbefindens in der bundesdeutschen Bevölkerung. Während Ende 2021 noch 54 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ab 14 Jahren den eigenen Wohlstand als sehr hoch einstufte, sind es aktuell nur noch 48 Prozent.

Hans-Peter Drews, der Leiter des NAWI-D bei Ipsos dazu: „In der Corona-Zeit haben wir zwar keinen dramatischen, aber doch einen Rückgang des Wohlstandes gemessen. Ende 2021 stuften die Deutschen ihren Wohlstand aber fast wieder auf dem Vor-Corona-Niveau ein. Da sich die Corona-Lage in der letzten Zeit eher entspannt als verschlimmert hat, ist zu vermuten, dass die Stimmung in Deutschland aktuell aufgrund des Ukraine-Krieges schlechter geworden ist.“
 

Deutsche mit vielen Wohlstandsfaktoren deutlich unzufriedener 

Für die Deutschen bestimmen viele verschiedene Einflussgrößen den eigenen Wohlstand. Neben ökonomischen Aspekten wie Einkommenssicherheit oder die Möglichkeit, sich Konsumwünsche erfüllen zu können, sind es auch gesellschaftliche Aspekte (wie die Möglichkeit einer freien Meinungsäußerung oder ein friedvolles Leben mit den Mitmenschen), persönliche Aspekte (wie Gesundheit oder gute eigene soziale Kontakte) und auch ökologische Aspekte. Die Deutschen sind mit allen Faktoren, die sie selbst als wichtig für ihren Wohlstand sehen, deutlich weniger zufrieden als noch Ende 2021. 

Hinter diesen vier aggregierten Wohlstandsdimensionen stehen insgesamt 30 einzelne Faktoren, die die Deutschen mit dem eigenen Wohlstand verbinden. Ein Blick in diese Details zeigt, dass sich beispielsweise deutlich weniger Menschen in Deutschland sehr gesund fühlen, sehr glücklich sind, keine finanziellen Sorgen haben oder in Frieden mit ihren Mitmenschen leben.

Für Hans-Peter Drews von Ipsos stehen diese Entwicklungen für ein allgemeines Stimmungstief. Kaum hat sich die Corona-Pandemie abgeschwächt, werden die Menschen mit einer neuen Krise konfrontiert. Und auch bei ihr lässt sich nicht abschätzen, wie sich der Konflikt entwickeln wird. 
 

Gen Z erneut Krisenverlierer

Wie schon zu Beginn der Corona-Pandemie zeigen auch die aktuellen Zahlen des NAWI-D, dass der Rückgang des Wohlbefindens bei der Generation Z (definiert als 14-23-Jährige) insgesamt gesehen, und auch bei fast allen 30 Wohlstandsfaktoren, am stärksten ist. 

Extrem sind die Rückgänge innerhalb der Generation Z vor allem bei der Zufriedenheit mit sehr persönlichen Aspekten wie Glück, Gesundheit und dem engen sozialen Umfeld. Mit den ökonomischen Faktoren sind die Jüngeren seit jeher unzufriedener. Sie sind in der Regel noch in der Ausbildung oder am Anfang des Berufslebens und verfügen somit aktuell noch nicht über ein hohes Einkommen und die berufliche Entwicklung ist unsicher. Bemerkenswert ist aber, dass der ökonomische Wohlstand der Gen Z in der aktuellen Situation noch einen weiteren, spürbaren Dämpfer erhalten hat. 

NAWI-D Juni 2022


Steckbrief NAWI-D

Im Frühjahr 2012 konzipierte Ipsos gemeinsam mit Zukunftsforscher Prof. Dr. Opaschowski ein neues Wohlstandsbarometer als Basis für einen umfassenden Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D), das seitdem kontinuierlich quartalsweise erhoben wird.

Methode: Ipsos Capibus Computer Assisted Personal Interviewing im Haushalt des Befragten. Random route - Zufallsauswahl der Haushalte und Personen.
Stichprobe: 2.000 Personen ab 14 Jahren je Erhebungswelle.

Grundgesamtheit: Deutschsprechende Bevölkerung in Privathaushalten.

Feldzeit (Ergebnisse für diese Presse-Info): 11.-19.04.2022 und 22.11.–13.12.2021 .

Für die Erhebungen zum Wohlstandsbarometer greift Ipsos auf seinen eigenen bundesweiten Stab an Interviewern zurück, der erfahren in der Durchführung sozialwissenschaftlicher Studien mit anspruchsvollen Designs ist. Die Datenerhebung erfolgt mittels persönlicher Interviews in den Zielhaushalten im Rahmen von wöchentlichen CAPI-Mehrthemenumfragen.
 

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