Ipsos KI-Monitor: KI-generierte Werbebotschaften gefährden das Vertrauen der Verbraucher
Drei von vier Deutschen (75 %) sind der Ansicht, dass Produkte und Dienstleistungen, die KI nutzen, diese Nutzung offenlegen müssen. Noch kritischer fällt die Bewertung möglicher Werbeeinflüsse aus: Würde ein generatives KI-Tool Antworten liefern, die von Werbungtreibenden beeinflusst werden, hätte das deutliche Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit. Mehr als die Hälfte der Deutschen (52 %) würde den Antworten weniger vertrauen; lediglich 29 Prozent geben an, dass dies keinen Einfluss auf ihr Vertrauen hätte.
Dies sind Ergebnisse des neuen Ipsos AI Monitor 2026, einer Studie zum Thema Künstliche Intelligenz in 32 Ländern weltweit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Transparenz und Glaubwürdigkeit wichtige Voraussetzungen für die Akzeptanz von KI-Anwendungen sind.


Dr. Markus Eberl, Chief Analytics Officer bei Ipsos, zieht aus den Ergebnissen des AI-Monitors das Fazit:
Gerade in Punkto Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit kommt Unternehmen in Zukunft die zentrale Verantwortung zu: Wenn KI-generierte Inhalte nicht adäquat gekennzeichnet oder menschlich verifiziert werden, kann schnell Glaubwürdigkeit verspielt und Marken nachhaltig beschädigt werden.
Auch für die Marktforschung selbst zieht er Rückschlüsse. So müssen aus seiner Sicht zum Beispiel qualitativ hochwertige menschliche Befragungen die Grundlage für synthetische Daten bilden, während Qualitätskennzahlen transparent gemacht werden sollten.
KI-Werbung: Akzeptanz hängt vom Kontext ab
Besonders sichtbar wird die Vertrauensfrage bei Werbeanwendungen von KI. Mit der Nutzung von KI zur Erstellung von Inhalten für Markenwerbung fühlen sich ebenso viele Deutsche wohl wie unwohl (42 % | 43 % | 16 % unentschieden).
Deutlich kritischer wird personalisierte Werbung bewertet: Mit der Generierung gezielter Werbebotschaften durch KI fühlt sich eine Mehrheit von 51 Prozent in Deutschland nicht wohl. Nur 36 Prozent sehen dies positiv. Gegenüber der Vorjahresbefragung ist die Zustimmung um fünf Prozentpunkte gesunken.
Noch größer ist die Ablehnung gegenüber politischer Werbung auf Basis künstlicher Intelligenz. Wird KI zur Erstellung politischer Werbung mit realistisch generierten Videos genutzt, trifft dies lediglich bei 16 Prozent der Bundesbürger auf Zustimmung. Fast drei Viertel (74 %) fühlen sich damit nicht wohl. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zustimmung um acht Prozentpunkte zurückgegangen.
Sinkende Begeisterung für KI-Produkte
Die Ergebnisse des AI Monitors zeigen zugleich, dass die Begeisterung über Produkte und Dienstleistungen, die Künstliche Intelligenz nutzen, in Deutschland spürbar abnimmt. Sie sank binnen eines Jahres von 45 auf 37 Prozent. Dass KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen mehr Vor- als Nachteile haben, glauben ebenfalls nur noch 37 Prozent; 2025 war es noch knapp jeder Zweite (49 %).
Trotz dieser Entwicklung nutzt inzwischen mehr als die Hälfte der Deutschen KI-Tools, obwohl sie ihnen nicht immer vertraut (54 %). Gleichzeitig stimmen lediglich 15 Prozent der Aussage zu, dass sie KI-Tools so sehr vertrauen, dass sie deren Arbeit nicht überprüfen. 76 Prozent lehnen diese Aussage ab.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Akzeptanz von KI nicht allein von technologischer Leistungsfähigkeit abhängt. Für viele Verbraucher spielen Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Vertrauen eine wichtige Rolle.
Der Kontext zählt: Je persönlicher, desto weniger Vertrauen
Generell hängt die Akzeptanz von KI in Deutschland stark vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Mit einer KI-unterstützten Bestellannahme in Restaurants fühlen sich 51 Prozent der Bundesbürger wohl, bei KI-gestützten Online-Suchergebnissen sogar 61 Prozent.
Geht es jedoch um Gesundheit oder Finanzen, sinkt die Zustimmung deutlich. Mit einer KI-gestützten Diagnose von Krankheiten fühlen sich nur 32 Prozent wohl, bei der KI-Unterstützung persönlicher Finanzen sind es sogar lediglich 29 Prozent. Mehrheitlich ablehnende Reaktionen (64 %) erzeugt auch die Vorauswahl von Bewerbern durch KI; nur 24 Prozent haben damit keine Probleme.
Mit diesen Werten liegt Deutschland im internationalen Vergleich häufig im unteren Drittel der untersuchten Länder. Das Vertrauen vieler anderer Nationen in KI fällt deutlich höher aus.
KI in Leben und Arbeit: verhaltene Zuversicht
Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 %) ist der Ansicht, dass KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen ihren Alltag innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre grundlegend verändern werden.
Gleichzeitig bleiben die Erwartungen an die gesellschaftlichen Auswirkungen verhalten. Nur jeder Fünfte (21 %) geht von positiven Effekten auf die Wirtschaft aus. Lediglich 14 Prozent erwarten positive Folgen für den Arbeitsmarkt, und nur 15 Prozent glauben, dass KI helfen wird, die Menge an Desinformation im Internet zu verringern.
Immerhin erwarten 44 Prozent durch KI eine Zeitersparnis bei der Erledigung von Aufgaben – ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Zu ähnlichen Ergebnissen bezüglich KI-Nutzung kommt auch unser CX Global Insights Report 2026.
Methode
Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage in 32 Ländern, die von Ipsos auf seiner Online-Plattform „Global Advisor“ zwischen Freitag, dem 20. März, und Freitag, dem 3. April 2026, durchgeführt wurde. Für diese Umfrage befragte Ipsos insgesamt 23.532 Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren in Indien, im Alter von 18 bis 74 Jahren in Kanada, der Republik Irland, Israel, Malaysia, Südafrika, der Türkei und den Vereinigten Staaten, im Alter von 20 bis 74 Jahren in Thailand, im Alter von 21 bis 74 Jahren in Indonesien und Singapur sowie im Alter von 16 bis 74 Jahren in allen anderen Ländern.
Die Stichprobe umfasst jeweils etwa 1.000 Personen in Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, Festlandchina, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, den Niederlanden, Neuseeland, Spanien und den USA sowie jeweils 500 Personen in Argentinien, Chile, Kolumbien, Ungarn, Indonesien, Irland, Israel, Malaysia, Mexiko, Peru, Polen, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, Thailand und der Türkei.