Reformpläne der Bundesregierung spalten Deutschland
Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause hat sich die Bundesregierung auf mehrere zentrale Reformvorhaben verständigt. Die Reaktionen der Bevölkerung fallen gespalten aus. Bei den geplanten Steuerentlastungen für mittlere Einkommen, strengeren Regeln beim Bürgergeld und dem Einstieg in eine Kapitalrente halten sich Zustimmung und Skepsis die Waage. Das geht aus einer repräsentativen Ipsos-Umfrage hervor.
Nach Ansicht von 38 Prozent der Deutschen gehen die Reformpläne insgesamt in die richtige Richtung. Davon sehen 6 Prozent die Vorhaben als ganz klar richtig und 32 Prozent als eher richtig an. Ebenso viele (38 %) bewerten die Pläne als Schritt in die falsche Richtung, darunter 20 Prozent mit einer klar ablehnenden und 18 Prozent mit einer eher ablehnenden Haltung. Ein Viertel der Befragten äußert sich weder positiv noch negativ (18 %) oder macht keine Angabe (6 %).
Zustimmung im Regierungslager, Skepsis an den Rändern
Die Bewertung der Reformagenda fällt je nach Parteipräferenz sehr unterschiedlich aus. Im Lager der Regierungsparteien überwiegt die Zustimmung deutlich: 69 Prozent der Unions-Wähler:innen bewerten die Reformpläne positiv, bei den SPD-Anhänger:innen sind es 57 Prozent. Demgegenüber äußern lediglich 16 Prozent der Unions- und 17 Prozent der SPD-Anhänger:innen Kritik an den Vorhaben. Die uneingeschränkte Zustimmung bleibt jedoch auch unter der Anhängerschaft der Regierungsparteien begrenzt: Lediglich 17 Prozent der Unions- und 8 Prozent der SPD-Wähler:innen sehen die Reformen als ganz klaren Schritt in die richtige Richtung.
Unter den Grünen-Wähler:innen fällt das Bild differenzierter aus. Zwar bewerten 42 Prozent die Reformpläne positiv, gleichzeitig lehnen 39 Prozent die Vorhaben ab. Besonders kritisch äußern sich die Anhänger:innen der politischen Ränder. Unter den Wähler:innen der AfD halten lediglich 22 Prozent die Reformen für einen Schritt in die richtige Richtung, während 56 Prozent sie ablehnen. Noch stärker ausgeprägt ist die Ablehnung im Lager der Linken: Nur 17 Prozent bewerten die Reformpläne positiv, 65 Prozent stehen ihnen negativ gegenüber.

Wer profitiert von den Reformen? Jede:r Dritte sieht am Ende nur Verlierer
Bei der Frage, wer von den geplanten Reformen profitieren wird, überwiegt die Skepsis. Ein Drittel der Deutschen (33 %) ist überzeugt, dass letztlich niemand von den geplanten Maßnahmen profitieren wird und die Reformen allen eher schaden werden.
Jede:r Vierte (25 %) erwartet dagegen, dass vor allem die Wirtschaft und Arbeitgeber von den Vorhaben profitieren. Weitere 13 Prozent glauben, dass die positiven Effekte insbesondere Bürger:innen mit niedrigem und mittlerem Einkommen zugutekommen werden. Lediglich 16 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Reformen allen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen Vorteile bringen.

Methode
Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten im Alter von 18 bis 75 Jahren in Deutschland, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde vom 31. Juli bis zum 2. August 2026 durchgeführt.