Viele Deutsche zweifeln an ihren Zukunftschancen
Was macht ein erfolgreiches Leben aus? Menschen weltweit sind sich erstaunlich einig, welche Meilensteine sie mit Erfolg verbinden. Neben einer sicheren Vollzeitstelle zählen für viele auch das eigene Zuhause, Wohneigentum, Ehe und Elternschaft dazu. Die Deutschen teilen diese Vorstellungen, zweifeln jedoch deutlich häufiger daran, diese Ziele erreichen zu können.
Das geht aus der Ipsos-Studie Life Aspirations 2026 hervor, für die Menschen in 30 Ländern zu ihren Lebenszielen und Zukunftserwartungen befragt wurden. Demnach gilt wirtschaftliche Sicherheit weltweit als wichtigster Erfolgsmaßstab: Für 65 Prozent der Befragten ist eine stabile Vollzeitstelle ein wichtiger Indikator für ein erfolgreiches Leben. Zwar teilt auch jede:r zweite Deutsche diese Einschätzung (51 %), doch 38 Prozent der Bundesbürger:innen glauben nicht, dass sie langfristige Jobsicherheit erreichen werden. Weltweit gilt das nur für jede:n Vierte:n (25 %).
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Nur jeder Fünfte rechnet mit Eigenheim
Weltweit ist Wohneigentum für 58 Prozent der Menschen ein Indikator für ein erfolgreiches Leben, in Deutschland liegt dieser Anteil mit 38 Prozent deutlich niedriger. Gleichzeitig ist die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Ideal und persönlicher Erwartung hierzulande besonders groß: Nur 22 Prozent der Bundesbürger:innen sind zuversichtlich, im Laufe ihres Lebens Wohneigentum zu erwerben. Dagegen rechnen 58 Prozent nicht damit, diesen Meilenstein zu erreichen – mehr als in jedem anderen der 30 befragten Länder. Nur in Japan ist die Skepsis ähnlich ausgeprägt (56 %).
Im internationalen Durchschnitt zeigt sich ein deutlich optimistischeres Bild. Knapp jede:r Zweite (49 %) weltweit hält Wohneigentum für erreichbar, während lediglich 31 Prozent daran zweifeln oder es für ausgeschlossen halten.
Familie und Partnerschaft: Für Männer wichtiger als für Frauen
Elternschaft (33 %) und Ehe (28 %) zählen für viele Deutsche ebenfalls zu den Bausteinen eines erfolgreichen Lebens. Im Vergleich zu einer sicheren Vollzeitstelle und den eigenen vier Wänden spielen diese Lebensziele jedoch eine geringere Rolle. Auch hier bestätigt sich das Bild, das die Studie insgesamt zeichnet: Viele Befragte halten diese Lebensziele für schwer erreichbar. 61 Prozent der Deutschen rechnen nicht damit, im Laufe ihres Lebens Eltern zu werden, und knapp jede:r Zweite (47 %) geht nicht davon aus, zu heiraten.
Zugleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer messen klassischen Familienmodellen eine größere Bedeutung bei als Frauen. Für 36 Prozent der Männer, aber nur für 30 Prozent der Frauen in Deutschland ist Elternschaft ein wichtiger Indikator für ein gelungenes Leben. Noch ausgeprägter ist der Unterschied beim Thema Ehe: Während sie für jeden dritten Mann (33 %) zu einem erfolgreichen Leben dazugehört, teilt nur gut jede fünfte Frau diese Ansicht (22 %).
Dieses Muster zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern in nahezu allen untersuchten Ländern. Im internationalen Durchschnitt messen Männer der Ehe 7 Prozentpunkte und der Elternschaft 5 Prozentpunkte mehr Bedeutung bei als Frauen.

Einkommen prägt Lebensziele und Zukunftserwartungen
Die deutlichsten Unterschiede zeigen sich beim Einkommen. Besserverdiener verbinden ein erfolgreiches Leben häufiger mit klassischen Meilensteinen wie einem sicheren Job, Wohneigentum, Ehe oder Elternschaft. Gleichzeitig haben Menschen mit höherem Haushaltseinkommen diese Ziele öfter bereits erreicht und blicken zuversichtlicher auf noch ausstehende Vorhaben. Befragte mit geringerem Einkommen sind dagegen deutlich skeptischer: Sie halten traditionelle Meilensteine seltener für erreichbar und rechnen häufiger damit, wichtige Lebensziele nicht verwirklichen zu können.
Im Vergleich zum Einkommen fallen die Unterschiede zwischen den Generationen geringer aus. Jüngere und ältere Menschen sind sich weitgehend einig, welche Meilensteine ein erfolgreiches Leben ausmachen. Deutlich auseinander gehen jedoch die Erwartungen an deren Erreichbarkeit: Jede Generation ist weniger zuversichtlich als die vorherige, wichtige Lebensziele verwirklichen zu können. Zugleich steigt die Sorge, enttäuscht zu sein, wenn diese Meilensteine unerreicht bleiben.
Für Rouven Freudenthal, Pressesprecher von Ipsos in Deutschland, sprechen die Ergebnisse daher auch weniger für einen Wertewandel als für eine Krise der Erreichbarkeit:
Wunsch und Wirklichkeit klaffen in Deutschland weit auseinander. Die meisten Menschen verbinden ein erfolgreiches Leben weiterhin mit klassischen Meilensteinen wie einem sicheren Arbeitsplatz, den eigenen vier Wänden oder Familie. Diese Vorstellungen sind über Ländergrenzen und Generationen hinweg erstaunlich stabil. Doch viele Bundesbürger bezweifeln, dass sie ihre Lebensziele tatsächlich verwirklichen können. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Wohnkosten sowie geopolitischer und ökologischer Krisen blicken vor allem junge Menschen skeptisch auf ihre persönlichen Zukunftschancen. Die Träume und Ziele bleiben dieselben, doch der Glaube an ihre Erreichbarkeit schwindet.
Methode
Dies sind die Ergebnisse der Studie Life Aspirations 2026, die von Ipsos auf der Online-Plattform Global Advisor in 30 Ländern durchgeführt wurde. Für die Online-Befragung wurden zwischen dem 20. Februar und dem 6. März 2026 insgesamt 22.693 Personen befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.
Zu den 30 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Rumänien, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA.
In 16 der 30 befragten Länder ist die Internetdurchdringung so hoch, dass die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung in den untersuchten Altersgruppen angesehen werden können – darunter auch Deutschland.
Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt. Der „globale Länderdurchschnitt“ gibt das durchschnittliche Ergebnis aller 30 Länder wieder, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder angepasst und stellt kein Gesamtergebnis dar.
Die Genauigkeit der Online-Befragungen von Ipsos wird anhand eines sogenannten Konfidenzintervalls berechnet. Eine Umfrage mit N=1.000 weist eine Genauigkeit von +/- 3,5 Prozentpunkten auf, eine Umfrage mit N=500 eine Genauigkeit von +/- 5,0 Prozentpunkten.