Nicht sichtbare Beeinträchtigungen werden oft unterschätzt
Bei drei von vier Menschen mit Beeinträchtigung ist sie nicht sichtbar. Das führt sehr häufig zu Problemen.
Nicht jede Beeinträchtigung ist auf den ersten Blick erkennbar. Chronische Erkrankungen, psychische Beeinträchtigungen, Schmerzen, Fatigue, Hörbeeinträchtigungen oder neurologische Erkrankungen bleiben oft unsichtbar. Für die Betroffenen bedeutet das jedoch nicht, dass sie im Alltag weniger einschränkend sind.
Eine aktuelle Befragung der Ipsos Teilhabe-Community zeigt: Die Nichtsichtbarkeit von Beeinträchtigungen führt für viele Menschen regelmäßig zu Missverständnissen, fehlendem Verständnis und Benachteiligungen.
Zentrale Ergebnisse
- Knapp drei Viertel der befragten Menschen mit Beeinträchtigung in der Ipsos Teilhabe-Community (74,3 %) geben an, dass ihre Beeinträchtigung für Fremde nicht deutlich erkennbar ist.
- 76,6 % dieser Menschen haben bereits Probleme erlebt, weil andere ihre Beeinträchtigung nicht erkannt haben.
- Fast jede:r Zweite (49,1 %) erlebt deshalb mindestens einmal pro Woche Probleme oder unangenehme Situationen. 23,0 % berichten sogar von entsprechenden Erfahrungen fast täglich.
- Benachteiligungen und negative Erfahrungen treten besonders häufig auf:
- im öffentlichen Raum (57,1 %)
- bei Freizeitaktivitäten (55,2 %)
- im Gesundheitswesen (49,0 %)
- bei der Arbeit (48,5 %)
- in Geschäften (46,2 %)
- bei Behörden (44,8 %)
- im Familien- oder Freundeskreis (44,3 %)
Befragte wünschen sich mehr Verständnis und mehr Aufklärung
Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen berichten häufig davon, dass ihnen Einschränkungen nicht geglaubt werden, sie sich rechtfertigen müssen oder ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen werden.
Die Befragten sind sich deshalb nahezu einig:
-
97,3 %
stimmen zu, dass die Auswirkungen nicht sichtbarer Beeinträchtigungen häufig unterschätzt werden.
-
94,1 %
fordern mehr Aufklärung über den Umgang mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen.
International wird die Sonnenblume (Hidden Disabilities Sunflower) als Erkennungszeichen für nicht sichtbare Beeinträchtigungen genutzt. Sie signalisiert, dass eine Person möglicherweise Verständnis, Rücksicht oder Unterstützung benötigt. Trotz seiner wachsenden Verbreitung kannten jedoch nur 26 % der befragten Menschen mit Beeinträchtigungen die Bedeutung dieses Symbols.
Fazit
Nicht sichtbare Beeinträchtigungen sind für Millionen Menschen Realität. Wer Unterstützung braucht, sollte diese nicht erst dann erhalten, wenn eine Beeinträchtigung sichtbar ist. Mehr Wissen, mehr Sensibilität und mehr Rücksichtnahme können helfen, Barrieren abzubauen und echte Teilhabe zu ermöglichen.
Matthias Tobies
Ipsos Public Affairs, Teilhabeforschung
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Weitere InformationenMethodik
Die Befragung wurde als Online-Studie (CAWI) in der Ipsos Teilhabe-Community durchgeführt, einem gemeinsamen Projekt von Ipsos und Aktion Mensch. Die Community umfasst mehr als 2.000 registrierte Menschen ab 16 Jahren mit Beeinträchtigungen in Deutschland. Die Feldarbeit fand vom 09. bis 14. Oktober 2026 statt. Insgesamt wurden 627 vollständige und qualitätsgeprüfte Interviews ausgewertet.