Wohlstandsverlust
Wohlstandsverlust

Ukraine-Krieg: Rekordrückgang beim Wohlstand der Deutschen

Hamburg, 09. Januar 2023. Die Deutschen stufen ihre ökonomische Situation und ihr gesellschaftliches Umfeld im Dezember 2022 deutlich negativer ein als noch im Dezember des Vorjahres. Das zeigen die Ergebnisse des Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D), der den subjektiv empfunden persönlichen Wohlstand der Deutschen seit 2012 regelmäßig erhebt. Im Dezember 2022 schätzten nur noch 47 Prozent der Befragten ihren Wohlstand als hoch ein, gegenüber 54 Prozent ein Jahr zuvor. Einen drastischeren Rückgang des gefühlten Wohlstands wie in den letzten zwölf Monaten hat es in so einem Zeitraum seit Bestehen des NAWI-D nicht gegeben. Selbst die Corona-Pandemie konnte den gefühlten Wohlstand nicht so stark dämpfen, wie es offensichtlich die Auswirkungen des Ukraine-Krieges gerade tun. Vor allem die durch den Konflikt verstärkte Inflation ist für einen beträchtlichen Anteil der Menschen im täglichen Leben spürbar und ein Ende ist für viele zurzeit nicht absehbar.

Inflation schränkt Konsum- und Vorsorgemöglichkeiten stark ein

Vergleicht man die Zustimmungswerte der beiden Dezemberwellen der Jahre 2021 und 2022, zeigen sich zwar aktuell noch 54 Prozent überzeugt davon, einen sicheren Arbeitsplatz bzw. eine sichere Rente zu haben, gegenüber 56 Prozent im Vorjahr. Geht es aber um finanzielle Sorgen, das Erfüllen von materiellen Wünschen oder die künftige finanzielle Vorsorge, sehen wir gegenüber der Erhebung im Dezember 2021 dramatische Veränderungen, die vermutlich auf den befürchteten Wertverlust des Geldes zurückzuführen sind. Nur noch 42 gegenüber 56 Prozent vor zwölf Monaten geben an, keine finanziellen Sorgen zu haben. Alle materiellen Wünsche können sich nur noch 35 Prozent der Befragten erfüllen, im Dezember 2021 gaben das noch 46 Prozent an. Für ihre Zukunft im ausreichenden Maße finanziell vorsorgen zu können trauen sich heute nur noch 41 Prozent aller Bundesbürger zu, zehn Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr (51%). 

Doch die Menschen sind nicht nur mit ökonomischen Faktoren weniger zufrieden. Denn Wohlstand bedeutet für die Deutschen nicht nur finanziell gut dazustehen und abgesichert zu sein: „Fragt man die Bevölkerung, werden neben ökonomischen Faktoren auch ein gutes gesellschaftliches Umfeld, sehr persönliche Aspekte wie die eigene Gesundheit und eine intakte Umwelt mit dem Wohlstand verbunden. Und mit all diesen Faktoren, sind die Deutschen zurzeit weniger zufrieden als noch Ende 2021“, so Hans-Peter Drews, Entwickler und Leiter des NAWI-D bei Ipsos.
 

Deutsche mit sozialem Umfeld weniger zufrieden

Gegenüber dem Vorjahr stufen deutlich weniger Deutsche ihre Zufriedenheit mit gesellschaftlichen Aspekten als sehr hoch ein. Rückläufig ist zum Beispiel der Anteil derjenigen, die angeben, dass sie in Frieden mit ihren Mitmenschen leben (von 72% auf 66%). Die Auffassung, seine Meinung frei äußern zu können, teilen im Dezember 2022 noch 55 Prozent, gegenüber 62 Prozent im Vorjahr. Schon vorher auf niedrigem Niveau lag der Anteil der Menschen, die angeben, in einer toleranten Welt zu leben. Dieser Anteil sank zuletzt noch einmal von 27 Prozent im Dezember 2021 auf aktuell 23 Prozent.   
 

Nur noch etwa jeder Dritte frei von Zukunftsängsten

Sowohl die angespanntere finanzielle und gesellschaftliche Situation als auch die Ungewissheit über den Ausgang des Ukraine-Krieges führen dazu, dass viele Deutsche aktuell weniger glücklich sind und eine stärkere Angst vor der Zukunft haben. Stuften sich Ende 2021 noch 60 Prozent als sehr glücklich ein, sind es heute nur 52 Prozent. Noch stärker rückläufig ist der Anteil derjenigen, die völlig frei von Zukunftsängsten sind: Dieser Wert sank in den vergangenen zwölf Monaten von 46 auf 34 Prozent. Somit geht nur noch etwa ein Drittel der Bevölkerung völlig unbekümmert ins neue Jahr.

 

Wohlstandsrückgang durch Ukrainekrieg

Steckbrief NAWI-D

Im Frühjahr 2012 konzipierte Ipsos gemeinsam mit Zukunftsforscher Prof. Dr. Opaschowski ein neues Wohlstandsbarometer als Basis für einen umfassenden Nationalen WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D), das seitdem kontinuierlich quartalsweise erhoben wird.

Methode: Ipsos Capibus Computer Assisted Personal Interviewing im Haushalt des Befragten. Random route - Zufallsauswahl der Haushalte und Personen

Stichprobe: 1.000 Personen ab 14 Jahren je Erhebungswelle.

Grundgesamtheit: Deutschsprechende Bevölkerung in Privathaushalten.

Feldzeit Ergebnisse für diese PI: 22.11.-13.12.2021 und 12.-19.12.2022.

Für die Erhebungen zum Wohlstandsbarometer greift Ipsos auf seinen eigenen bundesweiten Stab an Interviewern zurück, der erfahren in der Durchführung sozialwissenschaftlicher Studien mit anspruchsvollen Designs ist. Die Datenerhebung erfolgt mittels persönlicher Interviews in den Zielhaushalten im Rahmen von wöchentlichen CAPI-Mehrthemenumfragen.

Ähnliche Inhalte

  • Welche Themen beschäftigen die Deutschen derzeit am meisten? Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage nehmen seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs die Sorgen vor steigenden Preisen und militärischen Konflikten zu. Migration und Kriminalität rücken dagegen in den Hintergrund.
    Krieg/Terrorismus Pressemitteilung

    Stimmung der Deutschen auf dem Tiefpunkt, Sorge vor Krieg und Inflation nimmt deutlich zu

    Ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung sehen 82 Prozent der Deutschen das Land auf dem falschen Kurs – drei Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Die Lage der Nation wird damit so pessimistisch eingeschätzt wie selten zuvor. Lediglich nach dem Bruch der Ampelkoalition im Februar 2025 war die Stimmung noch etwas schlechter: Damals lag der Anteil der Zuversichtlichen bei 17 Prozent, aktuell bei 18 Prozent. Auch die wirtschaftliche Lage wird zunehmend kritisch bewertet: Nur noch 22 Prozent der Deutschen halten sie für gut – ein Rückgang um 7 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat.
  • Wie stehen die Menschen zum Klimawandel und zu steigenden Energiepreisen? Laut einer aktuellen Ipsos-Studie zum Tag der Erde nimmt die Klimamüdigkeit weltweit zu, während das Thema Bezahlbarkeit in den Vordergrund rückt.
    Klimawandel Pressemitteilung

    Tag der Erde: Jeder Zweite vertraut nicht auf Klimaplan der Bundesregierung

    Pünktlich zum Tag der Erde (Earth Day) am 22. April zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Ipsos-Studie in 31 Ländern ein beunruhigendes Bild: Die Klimamüdigkeit ist weltweit auf dem Vormarsch. Zwar stimmen weltweit 61 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Untätigkeit beim Klimaschutz künftige Generationen im Stich lässt, doch in allen 26 Ländern, in denen Ipsos seit 2021 fortlaufend Daten erhebt, ist die Zustimmung rückläufig. Deutschland bildet dabei keine Ausnahme.
  • Politische Meinungslage in Deutschland | Ipsos

    Politische Meinungslage in Deutschland – Januar bis April 2026

    Erfahren Sie mehr über die aktuelle politische Meinungslage in Deutschland. Ipsos teilt regelmäßig Erkenntnisse zu Wahlabsichten, Parteibindung & mehr!