Wie ist die Lebensqualität in Deutschland? Ipsos hat Menschen in 30 Ländern gefragt, wie sie die Lebensumstände der Jahre 1975 und 2025 im Vergleich einschätzen.
Wie ist die Lebensqualität in Deutschland? Ipsos hat Menschen in 30 Ländern gefragt, wie sie die Lebensumstände der Jahre 1975 und 2025 im Vergleich einschätzen.

Flucht in die Nostalgie: Mehrheit der Deutschen glaubt, dass vor 50 Jahren alles besser war

Wenn sich die Deutschen entscheiden müssten, ob sie lieber vor 50 Jahren oder heute geboren werden wollen, würde fast die Hälfte von ihnen (46 %) das Geburtsjahr 1975 vorziehen. Lediglich 14 Prozent würden sich für das Jahr 2025 entscheiden. Auch global bevorzugen die Menschen die Option, bereits 1975 geboren worden zu sein (1975: 44 % gegenüber 2025: 24 %). Ipsos befragte für die repräsentative Studie „Is Life Getting Better?“ Menschen in 30 Ländern, wie sie die Lebensumstände der Jahre 1975 und 2025 im Vergleich einschätzen.

In 29 von 30 Ländern geben sie der Vergangenheit den Vorzug. Einzig in Südkorea setzt die Bevölkerung eher auf die Gegenwart – und das, obwohl weltweit 72 Prozent aller Befragten nach 1975 geboren wurden. Die geäußerten Ansichten beruhen also mehrheitlich nicht auf persönlichen Erinnerungen. In Deutschland ist jeder zweite Befragte (54 %) nach 1975 geboren.

Nach Generationen betrachtet, spricht sich weltweit nur die Gen Z – wenn auch knapp – für das Geburtsjahr 2025 aus (2025: 38 % gegenüber 1975: 34 %). Bei den Babyboomern, der Gen X und den Millennials wird hingegen das Jahr 1975 bevorzugt.
 

Glück, öffentliche Sicherheit, Umwelt, Bildung: In Deutschland schien früher (fast) alles besser gewesen zu sein

Dass die Menschen in Deutschland 1975 glücklicher waren als heute, meinen 61 Prozent der Bundesbürger:innen – nur 6 Prozent sehen es umgekehrt. 67 Prozent sind der Ansicht, dass das Sicherheitsgefühl auf den Straßen vor 50 Jahren besser war als heute. Die Mehrheit der Deutschen (53 %) glaubt zudem, ein Leben ohne Angst vor Krieg oder Konflikten sei 1975 eher möglich gewesen. Auch den damaligen Zustand der Umwelt schätzen 57 Prozent der Befragten im Vergleich zu heute als besser ein.

Beim Thema Bildung fällt die Bilanz weniger eindeutig aus: In Deutschland meinen 45 Prozent, dass die Qualität des Bildungssystems 1975 höher war – 27 Prozent halten sie heute für besser. Weltweit ist es umgekehrt: Im globalen Durchschnitt finden 40 Prozent, dass das heutige Bildungssystem eine höhere Qualität aufweist als vor 50 Jahren, während 35 Prozent der gegenteiligen Auffassung sind. Bei der Einschätzung des Lebensstandards sind die Meinungen in Deutschland geteilt: 40 Prozent sind der Ansicht, dass der Lebensstandard 1975 höher war, 36 Prozent sehen 2025 vorn.
 

Einzige Ausnahme: Gesundheitssystem wird heute besser bewertet als 1975

Die Gesundheitsversorgung ist in Deutschland der einzige Lebensbereich, in dem die Gegenwart besser bewertet wird als die Vergangenheit: 41 Prozent halten die Qualität des deutschen Gesundheitssystems im Jahr 2025 für höher, 34 Prozent sehen 1975 vorn. Weltweit fällt das Urteil noch klarer aus: 52 Prozent der Befragten aus 30 Ländern schätzen die Qualität des Gesundheitswesens in ihrem Land heute höher ein als noch vor 50 Jahren.

Was hinter der verbreiteten Nostalgie steckt, ordnet Ipsos-Trendexpertin Inga Havemann ein: 

Das Gesamtbild überrascht nicht, sondern bestätigt, was auch unsere Studie Ipsos Global Trends bereits gezeigt hat: eine Entwicklung, die dem Umfeld geschuldet ist. In unsicheren Zeiten der Polykrise und der damit verbundenen gefühlten Hilflosigkeit sehnt man sich nach Sicherheit, Tradition, nach Bewährtem – und das findet sich eben sehr häufig in einer möglicherweise idealisierten Vergangenheit. Nostalgie bietet Halt in unsicheren Zeiten, doch die zentrale Frage lautet: Von welchem "Früher" sprechen wir – und für wen war es tatsächlich besser? Wir kennen das sicher alle – wenn die Großeltern oder auch Eltern mal wieder kommentieren, dass doch "früher alles besser war". Allerdings sehen wir eben auch hier das typische Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, die Zeit zurückzudrehen, und dem gleichzeitigen Bedürfnis, selbstverständlich nicht auf Komfort, neueste Technik, Entwicklung im Gesundheitswesen oder andere aktuelle Errungenschaften zu verzichten. Heißt: das Lebensgefühl von 1975 verbunden mit den Lebensstandards von heute. Denn vor 50 Jahren war eben faktisch doch nicht alles besser.

 

Hat sich die Lebensqualität in Deutschland verbessert oder verschlechtert? Ipsos hat Menschen in 30 Ländern gefragt, wie sie die Lebensumstände der Jahre 1975 und 2025 im Vergleich einschätzen.

 

Methode

Dies sind die Ergebnisse der Studie “Is Life Getting Better? 1975 versus 2025”, die von Ipsos auf der Online-Plattform Global Advisor in 30 Ländern durchgeführt wurde. Für die Online-Umfrage wurden zwischen dem 22. August und dem 5. September 2025 insgesamt 23.772 Personen befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.

Zu den 30 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA.

In 17 der 30 befragten Länder ist die Internetdurchdringung ausreichend hoch, um die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der untersuchten Altersgruppen anzusehen – darunter auch Deutschland. Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt.
 

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