Wie stehen die Deutschen zu einem möglichen Parteiverbotsverfahren gegen die AfD? Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage sind die Meinungen dazu geteilt.
Wie stehen die Deutschen zu einem möglichen Parteiverbotsverfahren gegen die AfD? Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage sind die Meinungen dazu geteilt.

AfD-Verbot: Jeder zweite Deutsche für Parteiverbotsverfahren

Anfang Mai stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die Alternative für Deutschland (AfD) als gesichert rechtsextremistisch ein. Dieser Schritt hat eine erneute Diskussion darüber entfacht, ob die Partei verboten werden sollte. Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage würden 46 Prozent der Deutschen ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD begrüßen. Etwa ebenso viele (44 %) lehnen es hingegen ab. Bei der Beurteilung zeigen sich starke Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen sowie zwischen den verschiedenen politischen Lagern.

Nachdem die AfD dagegen geklagt hatte, wurde die Einstufung des Verfassungsschutzes am 8. Mai vorerst ausgesetzt. Diese „Stillhaltezusage“ gilt, bis ein eindeutiges Gerichtsurteil vorliegt.
 

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Ostdeutsche stehen einem Verbotsverfahren gegen die AfD deutlich kritischer gegenüber als Menschen in Westdeutschland. In den ostdeutschen Bundesländern würde weniger als ein Drittel (32 %) der Befragten ein Verbotsverfahren gegen die AfD begrüßen. Eine Mehrheit von 57 Prozent lehnt es ab. Im Westen hingegen befürwortet die Hälfte (50 %) der Befragten ein Verbotsverfahren, während sich 41 Prozent dagegen aussprechen.

Wie stehen die Deutschen zu einem möglichen Parteiverbotsverfahren gegen die AfD? Laut einer Ipsos-Umfrage gibt es bei dieser Frage große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.


Grüne und Linke für Verbotsverfahren, Unions-Wähler:innen unentschlossen

Die Anhänger:innen der Grünen (82 %) und der Linken (81 %) sind sich in ihrer Meinung weitgehend einig: Sie befürworten ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD. Auch drei Viertel (72 %) der SPD-Wähler:innen würden diesen Schritt begrüßen. Anders sieht es bei den Unterstützer:innen der Union aus. Während die Hälfte (50 %) ein Verbotsverfahren positiv bewertet, sprechen sich mit 41 Prozent ähnlich viele dagegen aus. Noch kritischer wird ein Verbot der AfD von den Anhänger:innen der FDP (61 % Ablehnung, 29 % Zustimmung) und des BSW (57 % Ablehnung, 21 % Zustimmung) bewertet. Die Wählerschaft der AfD spricht sich erwartungsgemäß fast einstimmig (97 %) gegen ein Verbotsverfahren aus.

Wie stehen die Deutschen zu einem möglichen Parteiverbotsverfahren gegen die AfD? Laut einer Ipsos-Umfrage gibt es zwischen den verschiedenen politischen Lagern hierzu sehr unterschiedliche Auffassungen.


Frauen und Jüngere eher für AfD-Verbotsverfahren als Männer und Ältere

Während sich 50 Prozent der weiblichen Befragten für ein Verbotsverfahren aussprechen, sind es bei den Männern nur 42 Prozent. Gleichzeitig fällt der Anteil derjenigen, die ein Verbotsverfahren gegen die AfD ablehnen, bei den männlichen Befragten (50 %) deutlich höher aus als bei den Frauen (39 %).

Auch zwischen den Generationen zeigen sich Unterschiede. In der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen spricht sich eine Mehrheit (54 %) für die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD aus. In den Altersgruppen der 40- bis 59-Jährigen und der 60- bis 75-Jährigen fällt dieser Anteil mit 41 bzw. 44 Prozent deutlich geringer aus.
 

Methode

Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde vom 9. bis 10. Mai 2025 durchgeführt.
 

Politische Meinungsumfragen entdecken

Im Rahmen unserer "Politischen Frage des Monats" analysieren wir von Ipsos aktuelle Politik-Themen und stellen monatlich relevante Fragen, die das Land bewegen. 
Erfahren Sie, wie die Deutschen ticken.

Ähnliche Inhalte

  • Weihnachtskarten & E-Mails – Insights zur Relevanz in 2025 | Ipsos
    Marketing Umfrage

    Weihnachtskarten & E-Mails – Insights zur Relevanz in 2025

    Alle Jahre wieder kommt am Jahresende Weihnachtsport ins Haus geflattert. Doch wie kommt die überhaupt an?
  • Mehrheit erwartet erneuten Koalitionsbruch | Ipsos
    Regierung Umfrage

    Mehrheit erwartet erneuten Koalitionsbruch – Schwarz‑Rot gilt dennoch als handlungsfähiger als die Ampel-Regierung

    Nach großen Differenzen zwischen den damaligen Regierungsparteien kam es vor rund einem Jahr zum Bruch der Ampel-Koalition. Auch die neue schwarz-rote Koalition musste bereits Unstimmigkeiten überwinden, etwa bei der Sozialstaatsreform oder der Wiedereinführung der Wehrpflicht. Einer aktuellen Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts Ipsos zufolge hält eine Mehrheit von 56 Prozent der Deutschen einen erneuten Koalitionsbruch für wahrscheinlich. Gleichzeitig beurteilt die Hälfte der Bevölkerung (50 %) die aktuelle Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD als handlungsfähiger als die Vorgängerregierung.
  • Wie beurteilen die Deutschen ihr Gesundheitssystem? Laut einer Ipsos-Studie halten nur noch 42 Prozent die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland für gut – ein Rückgang um 14 Prozentpunkte seit 2018.

    Steigende Impfskepsis, mehr Pessimismus: So sehen die Deutschen das Gesundheitssystem

    Die Impfskepsis nimmt weiter zu. Nur noch die Hälfte der Deutschen (49 %) befürwortet eine Impfpflicht bei ernsthaften Infektionskrankheiten. Vor der Corona-Pandemie im Jahr 2018 lag der Anteil der Befürworter:innen in Deutschland noch bei 62 Prozent. Rund ein Viertel (24 %) der Bevölkerung spricht sich dagegen aus – lediglich in Ungarn ist die Impfskepsis mit 25 Prozent noch etwas höher. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den älteren Befragten zwischen 50 und 74 Jahren (49 %, -15 pp seit 2018). In dieser Altersgruppe war die Zustimmung zur Impfpflicht im Jahr 2018 mit 64 Prozent noch am höchsten.