„Das wird man wohl noch sagen dürfen.“ – Eine Analyse der Facebookseiten von CDU, SPD und AfD im Bundestags-Wahlkampf 2017

Spätestens 2017 spielten Soziale Medien im Bundestagswahlkampf eine große Rolle. Vor allem Facebook ist aufgrund seiner Nutzerzahl von Relevanz. Nach Daten von Facebook soll es im September 2017 in Deutschland 31 Millionen Nutzer gegeben haben. 23 Millionen Nutzer sind täglich auf Facebook.

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  • Dr. Hans-Jürgen Frieß Ipsos UU, Germany
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Diese Zahlen täuschen jedoch darüber hinweg, dass auch bei Facebook nur eine Minderheit im (partei-)politischen Bereich aktiv ist. Als Reichweitenindikator kann die Anzahl der Likes von Parteiseiten herangezogen werden, welche insgesamt für alle Parteien, die am 24. September 2017 in den Bundestag einzogen, knapp 1,5 Millionen betrug. Damit liegt die Anzahl der Nutzer von Parteiseiten leicht über der Zahl von tatsächlichen Parteimitgliedern der Bundestagsparteien, welche zum 31.12.2016 5 bei ca. 1,2 Millionen lag.

Doch ist die Anzahl der Nutzer disproportional verteilt: Die beiden mitglieder- und wählerstärksten Parteien, CDU und SPD, haben, bezogen auf ihre Größe, einen verhältnismäßig geringen Rückhalt bei Facebook. Umgekehrt ist das Verhältnis vor allem bei der AfD, gefolgt von der Linken, welche über eine größere Reichweite bei Facebook verfügen. Mit Abstand am größten ist die Reichweite, bezogen auf die Mitglieder, bei der AfD. Bei den anderen Parteien ist das Niveau deutlich niedriger.
 

Weitere Erkenntnisse:

  • Facebook ist zweifellos ein wichtiges Medium im Wahlkampf der Parteien geworden, doch sind die Reichweite und die Wirkung derzeit noch nicht so groß, wie die Aufmerksamkeit suggeriert.
  • Die Parteien nutzen Facebook im Wahlkampf eher anlassbezogen, um beispielsweise auf Veranstaltungen hinzuweisen oder die Nutzer zu weiteren Aktivitäten zu motivieren, die auch durchaus „analoger“ Art sein können, wie z.B. Spenden für eine Partei.
  • Fasst man die Nutzerkommentare zusammen, ergibt sich ein wenig erfreuliches Bild. Eine demokratische Streitkultur ist nicht auszumachen. Es dominiert eine Ausdrucksweise, die anklagend, diffamierend und zum Teil verletzend ist.
  • Die Facebookseite der CDU war weitgehend von Gegnern der Partei „gekapert“. Hier war eine Kommunikation mit den Nutzern sinnlos.

Die Ergebnisse stammen aus einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. Die Datenanalyse, grafische Umsetzung der Ergebnisse und Aufbereitung der Facebookdaten wurde von Ipsos vorgenommen.

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  • Dr. Hans-Jürgen Frieß Ipsos UU, Germany

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