Gute Nachbarschaft? Mehrheit findet, früher war es besser

Mehr als zwei Drittel der Deutschen (69%) glauben, dass die Menschen in Deutschland in den letzten 20 Jahren weniger nachbarschaftlich geworden sind. Besonders die 50- bis 70-jährigen (74%) halten, im Vergleich zu früher, die Deutschen für weniger nachbarschaftlich, ermittelte eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos.

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  • Katharina Trost
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Kleine Orte – bessere Nachbarschaft
Dabei lebt die Mehrheit der Deutschen (53%) derzeit in nachbarschaftlichen Beziehungen, die tragfähig genug sind, dass man sich vom Nachbarn Dinge ausleihen kann und sich mit anderen, kleineren Gefallen hilft. Das trifft vor allem auf die Älteren zu: So äußern 57 Prozent der 50- bis 70-jährigen, dass sie sich im Allgemeinen etwas vom Nachbarn ausleihen können und dass man sich gegenseitig hilft. Ein Viertel der Deutschen (25%) hingegen versteht sich dafür nicht gut genug mit den Nachbarn. In kleinen Orten mit bis zu 20.000 Einwohnern ist die Hilfsbereitschaft untereinander mit 62 Prozent deutlich größer als in Großstädten mit 500.000 Einwohnern (52%). Unter den Bundesländern zeichnet sich Bayern mit einer überdurchschnittlichen nachbarschaftlichen Hilfsbereitschaft aus, sechs von zehn Befragten (60%) stimmen dieser Aussage zu.

Vor allem Jüngere lassen sich vom Nachbarn aushelfen
Betrachtet man die letzten 12 Monate hat sich fast ein Drittel der Deutschen auch tatsächlich etwas von nebenan ausgeliehen (31%).  Hier stechen vor allem die Jüngeren hervor: 45 Prozent der 16- bis 29-jährigen haben sich vom Nachbarn aushelfen lassen, bei den 50- bis 70-jährigen waren es nur knapp ein Viertel (24%). Ganz oben auf der Liste der geliehenen Dinge steht die Leiter des Nachbarn (9%), Milch (8%) und Zucker (6%) oder auch der Parkplatz (6%).

Auch bei der Inanspruchnahme eines nachbarschaftlichen Gefallens haben die Deutschen grundsätzlich kein schlechtes Gefühl. So hätten 84 Prozent der Befragten keine Skrupel, ihren Nachbarn zu bitten, ein Paket in Empfang zu nehmen. Sechs von zehn (60%) haben ein so vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Nachbarn, dass sie diesem mit einem guten Gefühl den Haustürschlüssel für Notfälle überlassen würden. Auch die Bitte, sich eine halbe Stunde um die Kinder zu kümmern oder mehrere Tage auf die Haustiere aufzupassen, erzeugt nur für eine Minderheit der Deutschen ein ungutes Gefühl (39% bzw. 38%).

Lärm ist Störfaktor Nummer Eins
Ein Viertel der Deutschen fühlt sich zudem von seinen Nachbarn durch nichts gestört (25%). Wenn doch, dann sind Lärm (28%), Rücksichtslosigkeit (27%) und Unfreundlichkeit (25%) die häufigsten Ärgernisse. Unordentlichkeit und hinterlassener Müll ist für fast jeden Fünften ein Problem (18%), besonders aber in Großstädten (23%). Kinderlose Haushalte regen sich zudem stärker über Lärm (29%) auf als Haushalte mit Kindern (25%).

Jeder zweite Deutsche tauscht sich regelmäßig mit den Nachbarn aus
Die Kommunikation in der Nachbarschaft zeigt ein gemischtes Bild: Bei jedem Zweiten (52%) geht die Unterhaltung immerhin über ein reines „Hallo“ hinaus. Mehr als jeder Fünfte (22%) tauscht sich allerdings nie oder seltener als einmal im Monat mit den Nachbarn aus. In den Großstädten ist es sogar jeder Vierte (26%). Nachbarschaftlicher Austausch wird vor allem von den 50- bis 70-jährigen (63%) wöchentlich betrieben, demgegenüber sind es nur 41 Prozent bei den 16- bis 29-jährigen.

So denken auch die Jüngeren bei einem Umzug viel seltener gleich an die potentiellen Nachbarn. Während sich die Mehrheit der über 30-jährigen (58%) bei einem Umzug fragen würde, welchen Einfluss neue Nachbarn auf das eigene Leben haben würden, fragt sich dies nur eine Minderheit der 16-29-jährigen (47%). Deutschlandweit sind es 56 Prozent. Im Geschlechtervergleich zeigt sich zudem, dass Frauen sich viel mehr Gedanken über das Thema „neue Nachbarn“ machen als Männer (59% vs. 52%).

PI-Nachbarschaft

Methode:

Die Ergebnisse stammen aus einer repräsentativen Online-Befragung (i:omnibus von Ipsos Observer) von n=2.000 Befragten im Alter von 16 bis 70 Jahren. Die Daten wurden im Zeitraum vom 02. bis 06. August 2019 erhoben.

Autor(en)

  • Katharina Trost

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