Vertrauenskrise: Zwei Drittel der Deutschen halten Kanzler Merz für unglaubwürdig – auch im Alltag überwiegt die Vorsicht
Am deutlichsten zeigt sich diese beim Blick auf den Bundeskanzler: Nur 17 Prozent der Deutschen halten das politische Handeln von Friedrich Merz für glaubwürdig, 64 Prozent stufen es hingegen als unglaubwürdig ein. Auch der Bundesregierung wird nur begrenzt zugetraut, im Interesse der Bevölkerung zu handeln. Und selbst jenseits von Politik und Wirtschaft überwiegt die Skepsis: Viele Befragte sind der Ansicht, dass den meisten Menschen nicht zu trauen sei.
Vertrauenslücke zwischen Bund und Bürgern, Länder schneiden besser ab
Im Vergleich zum Kanzler fällt das Urteil für die Bundesregierung etwas milder aus, dennoch überwiegt auch hier das Misstrauen: Nur 26 Prozent der Befragten vertrauen darauf, dass die Bundesregierung im besten Interesse der Bevölkerung handelt. Demgegenüber stehen 41 Prozent, die nicht darauf vertrauen, und 30 Prozent, die weder Vertrauen noch Misstrauen äußern.
Die Landesregierungen schneiden im Vergleich dazu etwas besser ab: Rund ein Drittel (35 %) der Befragten vertraut darauf, dass die eigene Landesregierung im besten Interesse der Bevölkerung handelt, etwa ebenso viele (33 %) tun dies nicht.
Bei der Frage, ob die Bundesregierung zum Wohle von Menschen wie einem selbst handelt, ist das Vertrauen noch geringer: Fast die Hälfte der Deutschen (47 %) hat diesbezüglich kein Vertrauen, nur ein Viertel (23 %) vertraut der Bundesregierung. Auch bei dieser Frage schneiden die Länder besser ab als der Bund (31 % vertrauen ihrer Landesregierung, 36 % vertrauen ihr nicht).
Deutsche zweifeln an der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands
Die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland ist ein zentrales Anliegen der schwarz-roten Koalition. In der Bevölkerung fällt die Bewertung der Zukunftsfähigkeit jedoch gemischt aus: Nur 29 Prozent der Bundesbürger:innen vertrauen darauf, dass Deutschland künftig ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort sein wird. Mehr als jede:r Dritte (35 %) zweifelt daran, weitere 30 Prozent sind unentschieden.
Vorsicht und Misstrauen dominieren auch im Miteinander
Auch abseits von Politik und Wirtschaft deutet die Erhebung auf eine weitverbreitete Vorsicht im zwischenmenschlichen Miteinander hin. Auf die Grundsatzfrage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne oder ob man im Umgang nicht vorsichtig genug sein könne, sagt knapp die Hälfte (46 %), man könne nicht vorsichtig genug sein. Lediglich 21 Prozent sind der Meinung, den meisten Menschen könne man vertrauen, 32 Prozent äußern keine klare Tendenz.
Ähnlich ambivalent fällt das Bild bei der Frage nach Fairness aus: 27 Prozent der Deutschen glauben, dass die meisten Menschen sie ausnutzen würden, wenn sich die Gelegenheit dazu böte. Demgegenüber vertrauen 32 Prozent darauf, dass sich die meisten fair verhalten, 38 Prozent geben keine eindeutige Einschätzung ab.
Insgesamt zeigt sich damit: Die Vertrauenskrise reicht über Institutionen hinaus bis ins persönliche Miteinander,
ordnet Dr. Robert Grimm, Experte für Politik- und Sozialforschung bei Ipsos in Deutschland, die Befunde ein.

Methode
Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde vom 9. bis 11. Januar 2026 durchgeführt.