Blitz über dem Reichstagsgebäude in Berlin
Blitz über dem Reichstagsgebäude in Berlin

Historisches Stimmungstief: Deutsche verlieren Optimismus in die Zukunft des Landes

Ergebnisse aus der Ipsos-Studie „What Worries the World“

86 Prozent der Deutschen sehen das Land auf dem falschen Kurs. Das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Vormonat und 13 mehr als vor einem Jahr. Mit 14 Prozent erreicht der Anteil der Zuversichtlichen den niedrigsten Stand seit Beginn der Zeitreihe vor 15 Jahren und liegt deutlich unter dem bisherigen Tiefstwert nach dem Bruch der Ampelkoalition im Februar 2025 (17 %). Auch die wirtschaftliche Lage wird weiterhin kritisch gesehen: Wie im Vormonat halten nur 22 Prozent der Deutschen sie für gut – 9 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr.

Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos-Studie „What Worries the World“: Jeden Monat werden über 24.000 Menschen in 30 Ländern zu ihren größten Sorgen, zum Kurs ihres Landes und zur wirtschaftlichen Lage befragt.

Infografik: Deutsche verlieren Optimismus in die Zukunft des Landes

Die größten Sorgen der Deutschen: Inflation wieder auf Platz eins

Teuerung und soziale Ungleichheit beschäftigen die Deutschen derzeit am meisten. Entsprechend kehrt die Inflation an die Spitze des Sorgenbarometers zurück: 34 Prozent nennen steigende Preise als eine ihrer größten Sorgen – 3 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung. Armut und soziale Ungleichheit, im Vormonat noch auf Rang eins, folgt mit 32 Prozent (-4 pp). Auf dem dritten Platz liegen drei Themen gleichauf: Gewalt und Kriminalität (+3 pp), Einwanderung (-2 pp) und militärische Konflikte (-4 pp) zählen jeweils 27 Prozent der Deutschen zu ihren größten Sorgen.

Auch das Gesundheitswesen rückt stärker in den Fokus: 25 Prozent der Deutschen zählen es aktuell zu den größten Sorgen – 2 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung und 7 mehr als vor einem Jahr. Die Steuerbelastung beschäftigt 20 Prozent und liegt damit deutlich vor dem Klimawandel (17 %) und der Sorge um zunehmenden Extremismus (16 %).

Dr. Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland, ordnet die Ergebnisse ein:

„Die Blockade der Straße von Hormus infolge des Kriegs mit dem Iran verteuert die Energiepreise. Zunächst war das vor allem an der Zapfsäule spürbar; inzwischen schlägt es auch auf die Preise vieler Konsumgüter durch. Die Europäische Zentralbank meldete zuletzt eine Inflationsrate von 3,2 Prozent im Euroraum. Auch der Staat plant, tiefer in die Taschen der Beitrags- und Steuerzahler zu greifen. Höhere Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, steigende Beitragsbemessungsgrenzen sowie die Diskussion über zusätzliche Konsumgütersteuern, eine höhere Mehrwertsteuer oder die Reform des Ehegattensplittings verstärken den Eindruck, dass immer weniger Geld übrig bleibt. Für viele Menschen entsteht so zunehmend die Sorge vor einer doppelten Belastung: steigende Preise auf der einen, steigende Abgaben auf der anderen Seite.“

Methode

Die Ergebnisse stammen aus der monatlich von Ipsos durchgeführten Tracking-Studie „What Worries the World“. Für die Online-Umfrage wurden zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026 insgesamt 23.523 Personen in 30 Ländern über das Ipsos Online Panel System befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.

Zu den untersuchten Ländern gehören: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Süd-Korea, Thailand, Türkei, Ungarn und USA.

In 18 der 30 befragten Länder ist die Internetdurchdringung so hoch, dass die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung in den untersuchten Altersgruppen angesehen werden können – darunter auch Deutschland.

Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt.

Weiterführende Informationen zur Methodik sind im Studienbericht zu finden.

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