Studie: Deutsche besonders kritisch gegenüber der Nato

In einer Reihe von Mitgliedsstaaten der Nato ist die Beliebtheit des Militärbündnisses nicht sehr ausgeprägt, vor allem trifft das auf Deutschland, Frankreich und Spanien zu, wo nicht einmal jeder dritte Bürger (30%/31%/29%), der zumindest schon mal von der Nato gehört hat, dem Bündnis positiv gegenübersteht. Anlässlich des Nato-Gipfels, der seit gestern in London stattfindet, ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die Ipsos in Zusammenarbeit mit dem Politikinstitut des Londoner King´s College in 18 Ländern, darunter 11 Nato-Mitgliedsstaaten durchführte, ernüchternd.

Größte Nato Fans in Polen, den USA und Kanada
In Deutschland vertritt jeder fünfte (21%) Bürger laut Studie eine ausdrücklich negative Meinung zum Militärbündnis und bildet damit zusammen mit Spanien und Frankreich das Schlusslicht bei den befragten Nato-Staaten. Die größten Nato-Befürworter finden sich in Polen (60%), den Vereinigten Staaten (56%) und Kanada (55%), durchschnittlich sprechen sich 43 Prozent in den befragten Mitgliedsstaaten pro Nato aus.

Wenig Deutsche sehen Nato als „gute Macht“ in der Welt
Als “Macht des Guten” in der Welt sehen nur vier von zehn (41%) Bürgern in den elf befragten Mitgliedsländern und nur drei von zehn (33%) von Bewohnern aller 18 Befragungsländer die Nato. Hier haben die Deutschen mit einigem Abstand die schlechteste Meinung von der Allianz. Nur 30 Prozent schreiben ihr dieses Attribut zu, 17 Prozent ausdrücklich nicht.

Die Nato ist gut für mein Land – das sehen auch Deutsche mehrheitlich so
Dennoch sieht die Mehrheit der Bevölkerung (59%) in den befragten Mitgliedsländern die Allianz als gut für ihr Land an. Auch in Deutschland stimmen dem 51 Prozent zu, 9 Prozent sind gegenteiliger Meinung, der Rest ist unentschieden. Nur jeder siebte (14%) stimmt der Aussage zu, die Nato sei reine Geldverschwendung, in Deutschland sind es 17 Prozent.

Dr. Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland kommentiert die Studienergebnisse so: „Die Nato genießt kein gutes Image unter den Deutschen. Trotzdem betrachten viele in unserem Land die deutsche Bündnismitgliedschaft als positiv und die Finanzierung der Nato als notwendige Ausgabe. Denn die Nato wird von vielen weiterhin als wichtiger Verteidigungspakt wahrgenommen, der die westlichen Interessen vertritt. Es stellt sich die Frage, ob ein rein europäisches Bündnis eine ähnliche geopolitische Rolle, aber gleichzeitig eine bessere Reputation unter den Deutschen haben könnte.“

Deutsche kritisch gegenüber der Nato

Die elf befragten Nato-Mitgliedsländer sind: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Niederlande, Polen, Spanien, Ungarn und die USA.

Methode:
Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos Global Advisor-Studie »Public Perceptions of Nato« und wurden vom 25. Oktober bis zum 8. November 2019 erhoben. Bei der Online-Umfrage wurden 14.404 Personen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren in den USA und Kanada und zwischen 16 und 74 Jahren in allen anderen Ländern interviewt.

Die Studie wurde in 18 Ländern weltweit über das Ipsos Online Panel durchgeführt. Dabei wurden jeweils etwa 1.000 Personen in Australien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Spanien und den USA befragt und je etwa 500 in Belgien, Niederlanden, Polen, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Südkorea und Ungarn.

Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt. In 15 der 18 untersuchten Nationen ist die Internetdichte groß genug, um die Stichproben als repräsentativ für die nationale Bevölkerung anzusehen – darunter auch Deutschland.

China, Russland und Saudi-Arabien haben eine niedrigere Internetdichte. Diese Stichproben sollten daher nicht als bevölkerungsrepräsentativ angesehen werden, sondern repräsentieren stattdessen den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung, die aufstrebende Mittelklasse. Diese stellt allerdings eine wesentliche soziale Gruppe dar, wenn es darum geht, diese Länder verstehen zu lernen.

Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an Rundungen durch die computerbasierte Zählung, erlaubte Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von „weiß nicht/keine Angabe“ Nennungen.

 

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