Sorgenskala: Militärische Konflikte erstmals größte Sorge der Deutschen, Corona-Angst nimmt weiter ab

Hamburg, 22. Juni 2022. Die Sorge der Deutschen wegen militärischen Konflikten wächst. Angesichts des fortdauernden Angriffskrieges auf die Ukraine gaben zuletzt mehr als vier von zehn Bundesbürgern (41%) an, dass militärische Konflikte aus ihrer Sicht zu den drei größten Sorgenthemen in Deutschland gehören – sechs Prozentpunkte mehr als noch im Vormonat. Damit führen bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Staaten erstmals die Sorgenskala der Deutschen an, so das Ergebnis der Studie „What worries the world“, die vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ipsos monatlich in 27 Ländern durchgeführt wird.

Auf den Plätzen zwei bis fünf im Ranking der größten Sorgen in Deutschland folgen Inflation (36% | -1), Armut und soziale Ungleichheit (36% | +1), der Klimawandel (26% | -2) und das Coronavirus (23% | -3). Global gesehen treibt die Menschen weiterhin das Thema Inflation am meisten um.

World Worries Juni 22


Kriegsangst bei Älteren deutlich größer als bei Jüngeren

Auffällig ist, dass die wahrgenommene Bedrohung durch einen kriegerischen Konflikt zwischen den verschiedenen Altersgruppen stark variiert. Während sich jeder dritte Deutsche unter 35 Jahren (31%) stark wegen militärischen Konflikten sorgt, zeigen sich Befragte im mittleren und gehobenen Alter im Schnitt deutlich besorgter. In der Altersgruppe zwischen 35 und 49 Jahren geben 43 Prozent an, dass sie dieses Thema momentan besonders umtreibt, bei den 50- bis 74-Jährigen äußert sogar fast die Hälfte (46%) diese Sorge.
 

Geographische Nähe zur Ukraine erhöht wahrgenommene Bedrohung

Deutschland ist nicht nur das Land, in dem die Sorge wegen militärischen Konflikten derzeit am größten ist, sondern auch das einzige Land, in dem dieses Thema die Sorgenskala der Menschen anführt. Im weltweiten Durchschnitt geben lediglich 14 Prozent der Befragten an, stark wegen bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Staaten besorgt zu sein.

Neben Deutschland ist die Sorge wegen militärischen Konflikten auch noch in Polen, dem direkten Nachbarland der Ukraine, vergleichsweise groß (36% | -2). 
Mit Deutschland, Polen, Italien, Belgien, Schweden, der Niederlande, Großbritannien und Frankreich liegen zudem acht der Top10-Länder, in denen die Angst vor bewaffneten Auseinandersetzungen aktuell am größten ist, in Europa. Befragte in nicht-europäischen Ländern weisen, mit Ausnahme von Japan (25% | +6) und den USA (16% | -4), in diesem Bereich deutlich niedrigere Sorgenwerte auf.
 

Inflation weltweit größte Sorge, Corona-Angst sinkt weiter

Während die Angst vor Preissteigerungen in Deutschland zuletzt wieder leicht gesunken ist (36% | -1), sind die Inflationssorgen global gesehen nun schon den zehnten Monat in Folge angestiegen. Weltweit gibt etwa ein Drittel der Befragten (34% | +2) an, sich wegen steigender Preise zu sorgen. In Ländern mit hohen Inflationsraten wie Argentinien (66% | +2) und der Türkei (55% | -3) ist die Sorge besonders groß.

COVID-19 besorgt die Menschen hingegen immer weniger. Im globalen Durchschnitt erreichte die Corona-Sorge der Menschen zuletzt sogar den niedrigsten Wert (16% | -2) seit Pandemiebeginn. Auch in Deutschland zeigt sich inzwischen nicht einmal mehr jeder Vierte (23%) wegen Corona besorgt – drei Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Am größten ist die Angst vor dem Coronavirus aktuell noch in Japan (41% | -6), in Schweden (5% | -4) und Israel (4% | -5) spielt die Sorge wegen COVID-19 dagegen kaum noch eine Rolle. 
 

Methode

Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos Global Advisor-Studie »What Worries the World«. Bei der Online-Umfrage wurden zwischen dem 22. April und dem 06. Mai 2022 19.000 Personen aus 27 Ländern über das Ipsos Online Panel-System interviewt. In Israel, Kanada, Malaysia, Südafrika, der Türkei und den USA waren die Befragten zwischen 18 und 74 Jahren alt und in allen anderen Ländern zwischen 16 und 74 Jahren. 

Der "Globale Länderdurchschnitt" spiegelt das durchschnittliche Ergebnis für alle 27 Nationen wider, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgröße der einzelnen Länder angepasst. 

In Australien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Kanada, Japan, Mexiko, Schweden, Spanien und den USA umfasste die Stichprobe etwa 1.000 Personen. In Argentinien, Chile, Indien, Kolumbien, Malaysia, den Niederlanden, Peru, Polen, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, der Türkei und Ungarn wurden jeweils etwa 500 Personen befragt. 

In 16 von 27 Ländern ist die Internetdurchdringung ausreichend hoch, um die Stichproben als repräsentativ für die breitere Bevölkerung in den abgedeckten Altersgruppen zu betrachten: Argentinien, Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Polen, Schweden, Spanien, Südkorea, Ungarn und USA. Die Stichproben in Brasilien, Chile, Indien, Israel, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Peru, Saudi-Arabien, Südafrika und der Türkei sind städtischer, gebildeter und/oder wohlhabender als die Allgemeinbevölkerung und sollten so betrachtet werden, dass sie die Ansichten der stärker "vernetzten" Bevölkerungsgruppe widerspiegelt. 

Die Daten werden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Marktes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den neuesten Volkszählungsdaten am besten widerspiegelt. 

Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an Rundungen durch die computer-basierte Zählung, erlaubte Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von „weiß nicht/keine Angabe“ Nennungen.
 

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