Gesundheit für alle? | Ipsos
Gesundheit für alle? | Ipsos

Gesundheit für alle?

Ergebnisse der zum zweiten Mal durchgeführten Studie der Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit Ipsos.

2. Jahrgang der Studie

Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April 2026 führte die Aktion Mensch gemeinsam mit Ipsos Public Affairs zum zweiten Mal eine bundesweite Online-Befragung zu Gesundheitsthemen durch. Zwischen dem 10. und 12. Februar 2026 wurden insgesamt 1.010 Personen ab 16 Jahren befragt. 510 der Teilnehmenden sind Mitglieder der Teilhabe-Community, einem Panel von Menschen mit Beeinträchtigung. Weitere 500 Befragte stammen aus der repräsentativ gewichteten Gesamtbevölkerung.

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Aus dem Report:

In den vergangenen Jahren hat sich der Druck auf das deutsche Gesundheitssystem spürbar erhöht. Lange Wartezeiten, ein anhaltender Fachkräftemangel sowie regionale Ungleichheiten in der medizinischen Versorgung prägen zunehmend die Erfahrungen vieler Patient:innen. Diese Herausforderungen werden durch den demografischen Wandel verstärkt: Eine älter werdende Bevölkerung benötigt mehr medizinische Leistungen, während gleichzeitig die personellen und strukturellen Ressourcen vielerorts nicht mitwachsen.

Parallel dazu wurde im vergangenen Jahr verstärkt öffentlich über die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems diskutiert. Dabei standen insbesondere die steigenden Kosten, die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen sowie mögliche Veränderungen im Leistungsumfang im Fokus der Debatten. Die Diskussionen, etwa über Selbstbeteiligung, Leistungskürzungen oder das Primärarztsystem, haben zu einer allgemeinen Verunsicherung beigetragen und die Frage in den Mittelpunkt gerückt, wie ein belastbares, zugängliches und gerechtes Gesundheitssystem für alle Bevölkerungsgruppen gewährleistet werden kann.

Die gesundheitspolitischen Entwicklungen sind relevant für die vorliegende Untersuchung, weil Menschen mit Beeinträchtigung oft früher und deutlicher von Maßnahmen betroffen sind, die zu Leistungseinschränkungen, längeren Wegen oder höheren Kosten führen. Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich in unserer Befragung, dass diese Gruppe die drohende Verschlechterung ihrer gesundheitlichen Situation besonders deutlich wahrnimmt. Die erneut intensivierten Reformdebatten und Sparüberlegungen im Gesundheitssystem bilden daher einen zentralen Anlass, die Perspektiven von Menschen mit Beeinträchtigung erneut in den Blick zu nehmen – insbesondere aufgrund ihres überdurchschnittlich hohen Versorgungsbedarfs.

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen – wie im Vorjahr – die eigene Gesundheitssituation, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, der Zugang zur gesundheitlichen Versorgung sowie die Nutzung und Bewertung digitaler Gesundheitsangebote. Die Ergebnisse bestätigen, dass Menschen mit Beeinträchtigung weiterhin besonders stark von strukturellen Hürden betroffen sind. Viele von ihnen sind in hohem Maße auf barrierefreie, gut erreichbare und kommunikationssensible Gesundheitsangebote angewiesen. Doch gerade diese Voraussetzungen sind im aktuellen Versorgungssystem häufig nur unzureichend erfüllt. Hinzu kommt, dass Menschen mit Beeinträchtigung häufig deutlich längere Wege zu medizinischen Einrichtungen zurücklegen müssen und im Alltag mit zusätzlichen physischen, finanziellen und organisatorischen Belastungen konfrontiert sind. Diese Hürden erschweren einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsleistungen und verstärken die Ungleichheiten, die bereits im Vorjahr deutlich zutage traten.

Die Befragung zeigt daher nicht nur die aktuelle Lage auf, sondern ermöglicht auch einen Vorjahresvergleich. Sie gibt Aufschluss darüber, wie sich strukturelle Entwicklungen, Versorgungsbedingungen und gesellschaftliche Debatten auf die Lebensrealität von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auswirken – und wo weiterhin dringender Handlungsbedarf besteht, eine gleichwertige Teilhabe an Gesundheit für alle zu sichern.

Methodik:

Im Rahmen des Weltgesundheitstags führte die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit Ipsos Public Affairs eine quantitative Online-Befragung durch, um die Einstellungen und Erfahrungen der Bevölkerung hinsichtlich gesundheitlicher Themen zu erheben. Die Befragung fand zwischen dem 10. und 12. Februar 2026 statt und umfasst insgesamt 1.010 Personen ab 16 Jahren. Die Teilnehmenden der Erhebung setzten sich aus zwei Teilstichproben zusammen:

  • 510 Personen mit Beeinträchtigung aus der Teilhabe-Community, einem über 2.000 Personen mit Beeinträchtigung umfassenden Bevölkerungspanel von Ipsos in Kooperation mit Aktion Mensch.
  • 500 Personen aus der deutschen Gesamtbevölkerung, die über das Access Panel von Ipsos rekrutiert wurden und repräsentativ für die Wohnbevölkerung Deutschlands sind. Die Teilnehmenden der Repräsentativbefragung wurden nach repräsentativen Vorgaben nach Alter, Geschlecht und Bundesland gewichtet.

Der Fokus der Befragung lag auf der Erfassung der eigenen Gesundheitssituation, der Gesundheitsförderung, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, der Versorgungssituation sowie der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die gleiche Befragung wurde bereits zwischen dem 19. und 24. März 2025 in der Teilhabe-Community (n2025 = 427) und dem Ipsos Access Panel (n2025 = 300) durchgeführt. Diese Befragung wird im vorliegenden Forschungsbericht als Vergleichsgröße herangezogen. Bei der zweiten Durchführung der Befragung im Februar 2026 wurde der Fragebogen nicht verändert, um eine Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen der Befragung aus 2025 herstellen zu können. Vor der Durchführung der ersten Befragung im März 2025 wurden die Themenschwerpunkte der Befragung in einer eineinhalbstündigen Videokonferenz am 10. Februar 2025 von sechs Mitgliedern aus der Teilhabe-Community und jeweils zwei Vertreter*innen von Aktion Mensch und Ipsos erarbeitet. Die gleiche Gruppe überarbeitete am 10. März 2025 in einer eineinhalbstündigen Videokonferenz den konzipierten Fragebogen und gab ihn zur Programmierung frei. An dieser Sitzung nahmen fünf Vertreter:innen aus der Teilhabe-Community teil.

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