Politische Meinungslage in Deutschland, September bis Dezember 2024
Politische Meinungslage in Deutschland, September bis Dezember 2024

Nach Ampel-Aus: Zufriedenheit mit Regierung auf Tiefpunkt, starke Wählerwanderung vor Bundestagswahl absehbar

Nach dem Ampel-Aus ist die Zufriedenheit mit Olaf Scholz und seiner Regierung auf einem neuen Rekordtief. Im Dezember 2024 zeigen sich nur noch 8 Prozent der Deutschen „sehr zufrieden“ mit dem Bundeskanzler. Die Arbeit der Regierung insgesamt überzeugt sogar nur 4 Prozent der Befragten.

Auch die aktuelle Sonntagsfrage zeigt Verschiebungen in der politischen Stimmung: Stagnation für CDU/CSU (32%) und AfD (18%), leichte Zugewinne für SPD (16%) und Grüne (13%), Verluste für das BSW (7%) und die FDP, die mit 3 Prozent nicht wieder in den Bundestag einziehen würde.

Noch volatiler stellt sich die Situation bei der Wählerbindung und Wählerwanderung seit der letzten Bundestagswahl 2021 dar, wie aus einem aktuellen Ipsos-Bericht zur politischen Meinungslage in Deutschland zwischen September und Dezember 2024 hervorgeht.
 

Treue Stammwählerschaft bei Union und AfD, starke Abwanderung bei SPD

CDU/CSU können demnach 81 Prozent ihrer Wählerschaft von der Bundestagswahl 2021 halten. Auch die ehemaligen AfD-Wähler:innen bleiben der Partei weitgehend treu. 82 Prozent würden bei der nächsten Bundestagswahl wieder für die AfD stimmen. Nur 5 Prozent würden zur Union und 6 Prozent zum BSW abwandern. Die Grünen hingegen haben seit der letzten Bundestagswahl mehr als ein Drittel ihrer Wähler:innen verloren und können nur noch 63 Prozent halten.

Noch drastischer sind die Verluste bei SPD und FDP. Die Sozialdemokraten können nicht einmal die Hälfte ihrer Wähler:innen (47%) des Jahres 2021 halten, jede:r Fünfte (20%) würde für die Union stimmen, 8 Prozent für das BSW und 7 Prozent würden 2025 zur AfD abwandern. Nicht einmal ein Drittel (31%) der FDP-Wählerschaft von 2021 würde den Liberalen die Treue halten. Fast ebenso viele (27%) würden zur Union wechseln, immerhin 17 Prozent der ehemaligen FDP-Anhänger:innen bevorzugen heute die AfD.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht, das 2025 erstmals bei einer Bundestagswahl antritt, profitiert vor allem von der Abkehr ehemaliger Linken-Wähler:innen. 39 Prozent der Deutschen, die 2021 noch die Linkspartei gewählt haben, würden sich nun für das BSW entscheiden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Aber auch nennenswerte Anteile ehemaliger SPD-Wählerschaft (8%) sowie Anhänger:innen kleinerer sonstiger Parteien (14%) und Nichtwähler:innen (8%) wechseln aktuell zum BSW. Von den AfD-Wähler:innen des Jahres 2021 wandern nur 6 Prozent zu Wagenknecht ab.
 

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Wählerpotenzial: SPD verliert bei Bildungsschwachen, Grüne im Osten

Der Anteil der Befragten, die eine Partei generell für wählbar halten, stellt das erweiterte Wählerpotenzial dar. Während die drei Ampelparteien bereits wenige Monate nach der Bundestagswahl 2021 Einbußen beim Wählerpotenzial hinnehmen mussten, liegt die Union seit Anfang 2022 relativ konstant bei Werten um die 40 Prozent. Die AfD verliert 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (September bis Dezember 2023) 3 Punkte an Wählerpotenzial.  

Aufgeschlüsselt nach demographischen Kriterien wie Alter, Geschlecht, Einkommen oder Bildung zeigen die Daten im Vergleich zu 2023, dass die CDU ihr Potenzial vor allem bei den Besserverdienenden steigern kann. Die SPD hingegen verliert in allen Gruppen an Wählerpotenzial, besonders aber bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau. Auch die Grünen müssen Verluste hinnehmen; ihr Wählerpotenzial bleibt aber im Westen deutlich höher als im Osten und ist bei den höher Gebildeten, den Besserverdienenden, den Jüngeren und in den Großstädten am größten. Auch die AfD verliert in fast allen Gruppen; ihr Potenzial liegt vor allem im Osten. Bei der Linken sind die Verluste im Osten und bei den Niedriggebildeten am größten, das Potenzial bei den Jüngeren am höchsten.
 

Diese Themen bewegen und polarisieren die Deutschen am meisten

Steigende Lebenshaltungskosten, Zuwanderung, die Lage der Wirtschaft, Klima-, Umwelt- und Artenschutz sowie Armut und soziale Ungleichheit: Diese Themen bewegen die deutschen Wähler:innen im letzten Quartal des Jahres am meisten. Der Klimaschutz ist vor allem für die Anhängerschaft der Grünen ein Top-Thema, die Zuwanderung vor allem für die Wähler:innen der AfD. Das Thema Armut und soziale Ungleichheit bewegt vor allem die Anhängerschaft der Linken, des BSW und der SPD, während die Inflation für die Anhänger:innen aller Parteien ein sehr wichtiges Thema ist.

Bei den Kompetenzzuschreibungen zur Bewältigung dieser Themen punkten die Parteien erwartungsgemäß sehr unterschiedlich. Die Union überzeugt vor allem beim Umgang mit den Themen Wirtschaft und innere Sicherheit: 29 bzw. 27 Prozent der Befragten trauen CDU/CSU die Bewältigung dieser Herausforderungen zu. Der SPD wird die höchste Kompetenz beim Thema Armut und soziale Ungleichheit (17%), den Grünen beim Klimaschutz (29%) und der AfD beim Thema Zuwanderung (25%) zugeschrieben.
 

Unterschiedliche Themenrelevanz in Ost und West, bei Jung und Alt

Anders als in Westdeutschland (10%) gehören Klima und Umwelt für die Menschen in Ostdeutschland nicht zu den Top-3-Themen, sondern Einwanderung (18%), steigende Lebenshaltungskosten (17%) sowie Kriminalität und innere Sicherheit (10%). In Westdeutschland steht die Migration (15%) nach der Inflation (16%) an zweiter Stelle.
 

Kompetenzen der Parteien in wichtigen Politikfeldern



Bei den jüngeren Wähler:innen (18-39 Jahre) steht der Klimaschutz (11%) nach der Inflation (17%) an zweiter Stelle, gefolgt von der wirtschaftlichen Lage (10%). In der mittleren Altersgruppe (40-59 Jahre) und bei den Älteren (60-75 Jahre) steht dagegen die Zuwanderung an erster Stelle (20% bzw. 18%), Klima und Umwelt nur an dritter.
 

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Methode

Repräsentativ quotierte Online-Befragungen von Wahlberechtigten in Deutschland, zusätzlich gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Anzahl der Befragten pro Monat: n=1.000. Die dargestellten Werte sind in der Regel Mittelwerte über die Monate September bis Dezember 2024, die jeweils gerundet wurden. Durch die Rundungen kann es bei der Berechnung einzelner Prozentwerte zu minimalen Abweichungen kommen. 

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