Politische Ereignisse wie der Brexit oder die Wahl Donald Trumps im vergangenen Jahr haben das Thema Populismus wieder stark in den medialen Fokus gerückt. Eine weltweite Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeichnet nun ein Bild einer globalen Gesellschaft, in der sich viele vom politischen System vernachlässigt fühlen.
Jeder zweite Europäer (48%) glaubt, dass sich die Dinge in der EU in die falsche Richtung bewegen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Online-Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die anlässlich der bevorstehenden Europawahl in 28 Ländern weltweit durchgeführt wurde – darunter die neun EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien, Schweden, Polen und Ungarn.
Verstärkt durch die Flüchtlingskrise finden sich in Deutschland derzeit vielfältige Formen politischen Protests. Manche gehen auf die Straße, wobei vor allem die Kundgebungen von Pegida auf große mediale Resonanz stießen. Andere entscheiden sich auf ihrem Wahlzettel für eine Protestwahl, wovon seit 2013 insbesondere die AfD profitieren kann. Wieder andere, aber zum Teil auch die gleichen Akteure, sind vorrangig in sozialen Netzwerken aktiv. Was sind die spezifischen Auslöser für politisches Protest(wahl)verhalten im rechten politischen Spektrum?
Hamburg, 23. Oktober 2017. Armut und soziale Ungleichheit ist nach wie vor ein Top-Thema, wenn man die Deutschen nach ihren größten Sorgen fragt. Fast jeder Zweite (49%) sorgt sich darum, seit Juni dieses Jahres ist dieser Wert um 9 Prozentpunkte gestiegen. Als weitere wichtige Sorgen werden Kriminalität und Gewalt (39%) und Terrorismus (38%) genannt. Seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt wird diese Sorge aktuell deutlich seltener genannt, im Januar gab noch die Hälfte der Deutschen (49%) Terrorismus als Sorgenbereiter an.
Hamburg, 13. Juli 2017. Die Union bleibt auch nach den G20 Krawallen mit 39 Prozent stabil, die SPD verbessert sich um einen Prozentpunkt.
Die FDP liegt mit 8 Prozent weiterhin klar über der Fünfprozenthürde, während die AfD leicht verliert.
Hamburg, 29. Juni 2017. Die Union legt erneut einen Prozentpunkt zu und hält ihren Vorsprung von nun 14 Prozent zu den Sozialdemokraten.
Die FDP nimmt mit 8 Prozent weiterhin klar die Fünfprozenthürde, während die AfD unverändert bei 9 Prozent liegt.
Die Union baut ihren Vorsprung zu den Sozialdemokraten auf nun 12 Prozent aus. Die FDP liegt mit 7 Prozent klar über der Fünfprozenthürde und die AfD verbessert sich leicht.
Hamburg, 07. Juni 2017. Armut und soziale Ungleichheit nennen 43 Prozent der Deutschen an erster Stelle ihrer derzeit drei größten Sorgen im eigenen Land. Danach folgt die Angst vor Terrorismus und vor Gewalt und Kriminalität mit jeweils 38 Prozent. Seit Mai 2013, der Zeit vor der letzten Bundestagswahl, zeigt sich hier eine erhebliche Verschiebung. Damals gehörte das Thema Arbeitslosigkeit noch zu den drei größten Sorgen der Deutschen. Diese Ergebnisse stammen aus der monatlich in 26 Ländern erhobenen Studie „What worries the World“ des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos.
Politische Ereignisse wie der Brexit oder die Wahl Donald Trumps im Jahr 2016 haben das Thema Populismus stark auf die mediale Agenda gebracht. Der Aufschwung extremer Parteien oder politischer Bewegungen in nahezu allen europäischen Ländern trägt zu dem Eindruck bei, die Menschen würden sich nach politischen Veränderungen sehnen. Die Kandidatur Marine Le Pens für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die AfD in Deutschland oder das Gebaren von Recep Erdoğan in der Türkei und Viktor Orbán in Ungarn, die sich offen von gemeinsamen europäischen Werten distanzieren, sind Ausdruck einer spürbaren Veränderung der politischen Landschaft.