Stimmungswechsel vor dem Referendum: Jeder zweite Brite will für einen Brexit stimmen
Nur wenige Tage vor dem Referendum über die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU zeigt eine aktuelle Umfrage von Ipsos-Mori unter den Wahlberechtigten den höchsten Austrittswillen seit Beginn der regelmäßigen Befragungen im Oktober 2015. Jeder zweite (49%) gibt an, am 23. Juni für einen Brexit stimmen zu wollen. 43 Prozent setzen sich für einen Verbleib in der EU ein und nur drei Prozent bezeichnen sich als noch unentschieden.
Jeder fünfte Brite würde Meinung noch ändern
Diese Zahlen bedeuten aber noch nicht, dass die Wahl entschieden ist. Einer von fünf Briten (20%) gab an, seine Meinung vielleicht noch zu ändern und tatsächlich haben 15 Prozent der britischen Wähler seit April die Lager gewechselt. Den Ausgang des Referendums schätzen knapp die Hälfte (47%) der Briten zu Gunsten des EU-Verbleibs ein. Vier von zehn (38%) denken, Großbritannien wird den Brexit wählen. Noch im Februar sahen die Befragten den Ausgang anders. Sechs von zehn (62%) glaubten vor vier Monaten noch an eine Entscheidung für die EU, nur ein Viertel (26%) an den Austritt.
Einwanderung für Brexit-Befürworter das wichtigste Thema
Das Thema Einwanderung bewegt die britischen Wähler vor dem Referendum am meisten. Ein Drittel (33%) der Briten gibt an, dass sie dieses Thema vor der Wahl beschäftigt, im Mai waren es noch 28 Prozent. Wirtschaftliche Aspekte erachten 28 Prozent der Befragten als am wichtigsten, im Mai war es noch ein Drittel (33%). Die Bedeutsamkeit der beiden Themen unterscheidet sich klar bei den Pro- und Contra-Wählern. Mehr als die Hälfte der Brexit-Befürworter (52%) empfindet die Einwanderungsthematik als den wichtigsten Aspekt vor dem Referendum, bei den EU-Verbleibern nannten ihn hingegen nur 14 Prozent. Für zwei von fünf (41%) der Pro-EUler sind wirtschaftliche Thematiken wichtiger. Diesen Aspekt benannten nur zwei von zehn (18%) Contra-Wählern als am bedeutsamsten.
Ein Drittel der Briten: Nach dem Brexit würde mein Leben besser werden
Gefragt nach den Auswirkungen des Referendums auf ihr persönliches Leben, gab ein Drittel der Briten an, ihr Leben würde sich in den nächsten fünf Jahren verbessern, wenn Großbritannien den Brexit wählt. Genauso viele (32%) rechnen in diesem Fall mit einer Verschlechterung und ein Viertel (23%) glaubt, es hätte keinen Einfluss auf sie. Sollte Großbritannien in der EU bleiben, denken knapp drei von zehn (28%) britischen Wählern, ihre persönliche Situation würde sich in den nächsten fünf Jahren zum Schlechten wenden. Jeder fünfte (18%) gab an, sein Leben würde sich in diesem Fall verbessern, der Großteil (45%) schätzt allerdings, dieses Szenario würde für ihn keinen Unterschied machen.
Steckbrief
Diese Ergebnisse stammen aus einer repräsentativen Telefon-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Ipsos-Mori unter 1.257 Erwachsenen ab 18 Jahren in Großbritannien durchgeführt hat. Die Befragung fand zwischen dem 11. Und 14. Juni 2016 statt.