Schlechte Stimmung im Pflegemarkt
Schlechte Stimmung im Pflegemarkt

Umfrage im Pflegemarkt: Schlechte Stimmung und düstere Aussichten

Hamburg, 16. Januar 2023 – Die Ergebnisse des aktuellen CARE Klima-Index zeichnen ein düsteres Bild von der aktuellen Situation auf dem deutschen Pflegemarkt. Denn auch dieses Jahr bleibt das Pflege-Klima unterhalb der 100er-Grenze, die vergleichbar mit der Nulltemperatur eines Thermometers ist. Der Wert fällt von 94.7 Punkten aus dem Vorjahr auf 93.2 Punkte.

Im CARE Klima-Index des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos werden seit 2017 jährlich 1.000 Personen aus bis zu 13 Ziel- oder Berufsgruppen befragt, die selbst Pflege benötigen oder einen pflegerelevanten Beitrag leisten. 
 

Pflegepersonal nimmt Politik in die Pflicht

Der Blick des Pflegemarkts richtet sich insbesondere in Richtung der Politik. Vielen kommen die Bedürfnisse der Pflege auf der Prioritätenliste der Politik anscheinend zu kurz. So stufen 80 Prozent der Befragten den politischen Stellenwert der Pflege im Vergleich zu anderen Themen als niedriger ein – ein Negativrekord seit 2017. Dieser Anteil wird von der Berufsgruppe Pflege mit einer Zustimmungsquote von 90 Prozent sogar noch getoppt, dicht gefolgt von Pflege- und Sozialberatern mit 89 Prozent. Auffallend negativ äußern sich auch die Kostenträger, die mit dem höchstem Negativwert seit fünf Jahren aufwarten. Während 2021 nur 39 Prozent einen negativen Stellenwert der Pflege angaben, tun dies in der aktuellen Befragung 72 Prozent – 33 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
 

Abwärtstrend bei Arbeitsbedingungen der Pflegefachpersonen

Im Vergleich zum Vorjahr steigt die negative Wahrnehmung der Pflegenden zu den eigenen Arbeitsbedingungen wieder. Sowohl 55 Prozent der Berufsgruppe Pflege selbst als auch 59 Prozent der außenstehenden Personen erteilen den Arbeitsbedingungen das Urteil „schlecht“.
 

Qualität der Pflegeversorgung nur mittelmäßig

Die Qualitätsbewertung der Pflegeversorgung bleibt für alle Sektoren der Pflege (ambulant, stationär, Krankenhaus) unverändert im Mittelfeld. Auffällig ist die harsche Selbstkritik der Berufsgruppe Pflege mit ihrer eigenen Pflegequalität. Nur jeder Zehnte (10%) attestiert seiner Profession „hochwertige Pflege“. Anders bei den zu Hause Pflegenden: Hier lobt jeder zweite Angehörige (56%) die eigene/die häusliche Pflege. 
 

Pflegende fordern Kompetenzerweiterung

Drei Viertel der Befragten (72%) sprechen sich außerdem für eine Kompetenzerweiterung der Berufsgruppe Pflege aus – deutlich häufiger im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen. Die Zustimmungswerte für Hebammen, Therapeuten und Notfallsanitätern liegen nur bei etwa 58 Prozent.
 

Alarmierender Ausblick auf die zukünftige Pflegeversorgung 

Jeder zweite Studienteilnehmer (51%) glaubt nicht, dass die Pflegeversorgung in den kommenden zehn Jahren sichergestellt werden kann – der negativste Wert seit fünf Jahren aus Sicht aller Befragten des CARE Klima-Index.

Die Berufsgruppe Pflege ist diesbezüglich besonders pessimistisch mit sieben von zehn Befragten (70%), die nicht daran glauben, dass die Pflegeversorgung im nächsten Jahrzehnt gewährleistet werden kann – ebenfalls der schlechteste Wert im Fünf-Jahres-Zeitverlauf.

Für Stephanie Hollaus, Pflegeforschungsexpertin bei Ipsos, zeigen diese Ergebnisse einmal mehr, wie wichtig es ist, Stimmungen gerade in einem so bedeutenden Markt wie der Pflege zu messen: „Der CARE Klima-Index kann als jährlicher Indikator oder eine Art Frühwarnsystem gesehen werden, um pflegerelevante Strategien ggf. nachzujustieren und auf aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Denn was bringen die besten Gesetzesänderungen und Maßnahmen, wenn sie auf Seiten der Betroffenen keine spürbaren Veränderungen nach sich ziehen? Die Ergebnisse zeigen die Dringlichkeit auf, mit der das Fundament für eine gesicherte Pflege in Deutschland zeitnah gegossen werden muss.“

CKI


Studien-Streckbrief:

Im Fokus unserer einmal jährlichen syndizierten Studie mit mehr als 1.000 Befragten stehen professionell Pflegende, Pflegehaushalte, Haus-/Fach- und Zahnärzte, Apotheker, Kostenträger mit Pflegestützpunkten, Arbeitgeber in der Pflege, Wirtschaftsunternehmen, Kommunen und Verbände. So liefern bis zu 13 Ziel- & Berufsgruppen valide Benchmarks und Zeitreihen-Analysen für den deutschen Pflegemarkt.
 

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