Mehrheit der Deutschen bewertet Mauerfall positiv – aber Diskrepanzen zwischen Ost/West und den Generationen

Hamburg, 03. September – Im November dieses Jahres jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 35. Mal. Eine aktuelle Ipsos-Umfrage zeigt, dass drei von fünf Deutschen den Mauerfall aus heutiger Sicht positiv bewerten. Dabei gibt rund ein Drittel (34 %) an, eine sehr positive Meinung zu haben und 26 Prozent bewerten den Mauerfall zumindest eher positiv. Nur eine Minderheit von 14 Prozent sieht den Mauerfall negativ. Ein relativ großer Anteil von 26 Prozent hat keine klare Meinung zum Mauerfall und bewertet ihn neutral.

Mehrheitlich positive Einstellung in Ost- und Westdeutschland

Die mehrheitlich positive Bewertung zeigt sich sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland, wobei sie im Osten mit 55 Prozent leicht geringer ausfällt als im Westen (61 %). Dafür ist der Anteil derjenigen, die den Mauerfall neutral bewerten, im Osten wesentlich größer als im Westen: In Ostdeutschland ist es ein Drittel der Befragten (33 %), in Westdeutschland nur ein Viertel (24%). Negativ betrachtet wird der Mauerfall sowohl im Osten (12%) als auch im Westen (15%) nur von einer Minderheit.


Mehrheit in Ost- und Westdeutschland bewertet Mauerfall positiv

Jüngere stehen Mauerfall positiver gegenüber

Insbesondere jüngere Befragte zwischen 18 und 39 Jahren, die den Mauerfall und die Zeit davor nicht oder nicht bewusst miterlebt haben, bewerten ihn positiv – dies sind insgesamt drei Viertel (74 %) dieser Altersgruppe. Nur 6 Prozent stufen ihn eher negativ ein. Mit einem Fünftel (20%) ist der Anteil derjenigen, die keine eindeutige Meinung äußern, vergleichsweise gering.

Auch unter älteren Befragten zwischen 40 und 75 Jahren spricht sich eine Mehrheit positiv bezüglich des Mauerfalls aus. Dieser Anteil fällt allerdings deutlich geringer aus als bei den Jüngeren (54 % unter 40-59-Jährigen; 52 % unter 60-75-Jährigen). Der größte Anteil an Mauerfallgegnern findet sich dabei in der ältesten Generation. Unter den 60-75-Jährigen sieht gut jeder Fünfte (22 %) den Fall der Mauer negativ. Unter den 40-59-Jährigen sind es 16 Prozent.

Insbesondere Jüngere mit positiver Meinung zum Mauerfall

Junge Westdeutsche positiver gegenüber Mauerfall als Ostdeutsche

Vergleicht man in der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen das Antwortverhalten in Ost- und Westdeutschland, zeigen sich allerdings Unterschiede. Während unter den Jüngeren in Westdeutschland 77 Prozent den Mauerfall positiv bewerten, tun dies in Ostdeutschland nur 55 Prozent. Der Anteil derjenigen, die den Mauerfall negativ bewerten, fällt indes auch unter den Jüngeren sowohl im Osten (6%) als auch im Westen (7 %) sehr gering aus. Dafür stehen die jungen Menschen im Osten dem Mauerfall zu einem vergleichsweise großen Anteil von 40 Prozent neutral  gegenüber. Dieser Wert liegt mit 16 Prozent im Westen wesentlich niedriger. 

Laura Trachte, Managerin in der qualitativen Politik- und Sozialforschung bei Ipsos, erläutert: „Unsere ergänzenden Gruppendiskussionen in Thüringen und Sachsen zeigen, dass der Mauerfall auch aus den Erfahrungen heraus beurteilt wird, die im Kontext der Wiedervereinigung gemacht wurden. Der Mauerfall an sich wird durchaus positiv bewertet, aber es zeigt sich Unzufriedenheit bezüglich des nachfolgenden Transformationsprozesses, beispielsweise der ungleichen Gehälter und Renten und der anhaltenden Unterscheidung in Ost und West“.

Methode
Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde vom 02. bis 04. August 2024 durchgeführt. 
Die qualitative Politik- und Sozialforschungsabteilung von Ipsos hat zudem in einer Eigenstudie zwei Online-Gruppendiskussionen in den beiden ostdeutschen Bundesländern durchgeführt, die diesen Herbst bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland als erstes wählen: Sachsen und Thüringen. Am 05. und 06. August 2024 fand jeweils eine 2-stündige Fokusgruppe (mit 6 bis 7 Teilnehmenden, bestehend aus Wahlbeteiligten) in Thüringen und Sachsen statt. Ein tieferer Einblick in die Ergebnisse der Fokusgruppen ist hier zu finden.

Kontakt
Dr. Robert Grimm
Ipsos Politik- und Sozialforschung
[email protected]
Fon: +49 30 3030645 7900 

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