Künstliche Intelligenz in Einstellungen und Nutzung bei unterschiedlichen Milieus in Deutschland

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der innovativen Zukunftstechnologien mit großen Veränderungspotenzialen für Wirtschaft und Gesellschaft. In einer qualitativen, nicht repräsentativen Studie wurde untersucht, wie die Menschen Potenziale und Gefahren dieser Technologie einschätzen, welche Bedrohungen sie erwarten und welche Chancen für Problemlösungen oder eine bessere Gesellschaft. Diese Fragen wurden in Gruppen diskutiert und bewertet, in denen Menschen mit unterschiedlicher Technikaffinität und unterschiedlichen Bildungsgraden zusammenkamen.

Autor(en)

  • Dr. Hans-Jürgen Frieß Ipsos UU, Germany
  • Caroline Werkmann Research Executive IUU
Get in touch

KI ist den Befragten als Begriff geläufig, aber nur wenig mit konkreten Inhalten gefüllt. Oftmals unterscheiden sie nicht präzise zwischen KI und Digitalisierung oder Roboter-Automatisierung. Zum Teil schließen Befragte von ihren Erfahrungen mit Digitalisierung auf Vorteile oder Gefahren von KI, zum Teil vermengen sie die Entwicklungen. Die Erwartungen und Bewertungen sind heterogen und reichen von utopischen Hoffnungen bis zu dystopischen Befürchtungen. Befragte mit hohem formalem Bildungsabschluss und hoher Technikaffinität neigen dazu, KI positiver zu bewerten als Befragte mit einem niedrigen Bildungsabschluss und geringer Technikaffinität. Frauen tendieren dazu, KI kritischer zu beurteilen als Männer. Allerdings sind diese Unterschiede nicht sehr deutlich ausgeprägt.

Deutliche Unterschiede in der Akzeptanz lassen sich in den unterschiedlichen Anwendungsfeldern erkennen: Anwendungen der KI, die das gesellschaftliche Zusammenleben verändern, die politische Meinungsbildung beeinflussen oder das Thema Sicherheit betreffen, werden tendenziell kritisch bewertet. Anwendungsmöglichkeiten in Gesundheit und Mobilität finden dagegen größtenteils Zustimmung. Zu wirtschaftlichen Anwendungen ist das komplette Meinungsspektrum – von großer Zustimmung bis zur nahezu vollständigen Ablehnung – zu finden.

Bemerkenswert ist der geringe Kenntnisstand zur KI. Technikaffine und Menschen mit einem formal hohen Bildungsabschluss sind tendenziell besser informiert, aber auch ihnen fehlen konkrete Informationen, die ihnen eine sachliche Bewertung ermöglichen. Viele Aspekte, die in Fachkreisen diskutiert werden, scheinen in der breiten Bevölkerung unbekannt zu sein. Dies gilt sowohl für die technischen als auch für die gesellschaftlichen Aspekte.

Hinzu kommt, dass den meisten Befragten nicht bewusst ist, in welchen Anwendungen KI bereits zum Tragen kommt. Offensichtlich fehlt es vielen an konkreten Erfahrungen im Alltag, so dass KI noch immer als etwas Futuristisches wahrgenommen wird. Dies bedeutet auch, dass Anwendungen, die bereits heute realisiert sind, eher unbewusst und daher unkritisch genutzt werden. Viele Befragte bemerken ihre Defizite im Umgang mit KI und fühlen sich daher unsicher.

Bemängelt wird von vielen Befragten, dass KI nicht ausreichend in den Medien thematisiert werde. Die ausführliche Medienberichterstattung in den letzten Jahren, insbesondere in den Wirtschafts- und Wissenschaftsressorts, aber auch in den Politikressorts, war für diese breitere Zielgruppe offensichtlich nicht ausreichend interessant.

Trotz der relativ geringen Kenntnisse und Erfahrungen zur KI werden bei den Befragten Kriterien deutlich, von denen die Akzeptanz maßgeblich abhängt: Besonders wichtig ist ihnen ein erkennbarer Nutzen – für den Einzelnen und für Wirtschaft sowie für die Gesellschaft insgesamt. Dieser Nutzen wird gegen mögliche Risiken abgewogen. Ebenso wichtig ist der Kontrollaspekt. Über alle untersuchten Gruppen war es den Befragten ausgesprochen wichtig, dass nicht die Technik, sondern Menschen die Kontrolle behalten und die „Letztentscheidung“ niemals Maschinen überlassen bleibt.

Unter der Annahme, dass die Potenziale der KI für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwecke genutzt werden und damit zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt beitragen sollen, ergeben sich folgende Aufgaben:

  1. KI muss besser erfahrbar werden. Nutzerinnen und Nutzer müssen wissen, wo sie bereits zum Einsatz kommt, wozu sie konkret dient und was ihr Vorteil ist. Dieser Schritt ist die Voraussetzung für eine breitere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit KI.
  2. Breiteres Wissen über KI erfordert Information zu dem Thema in einer Weise, die für die Menschen relevant ist. Dies ist eine wichtige Aufgabe der Medien, aber auch der Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die mit KI arbeiten. Auch das Bildungssystem, besonders die Schulen, sind gefordert, KI alters- und bedarfsgerecht zu vermitteln, sowohl die technischen als auch die gesellschaftlichen Aspekte. Ohne einen erkennbaren Bezug zwischen KI und dem Leben der Menschen haben diese Bemühungen aber nur sehr geringe Erfolgsaussichten.
  3. Mit Blick auf die Zukunft sollte eine Debatte über die Wertefragen angestoßen werden. Die im Untersuchungsrahmen geführten Diskussionen stimmen optimistisch, dass die Menschen auch bei diesem komplexen Thema in der Lage sind, Beurteilungskriterien zu entwickeln und sich eine Meinung zu bilden. Ausgangspunkt einer solchen Debatte ist die Grundfrage, wie wir in Zukunft mit bzw. ohne KI leben wollen. Die politischen KI-Strategien, die es in Deutschland und der EU gibt, sind dafür eine gute Grundlage, da sie die angestrebten Ziele verdeutlichen. Sie müssen durch eine Kommunikations- und Partizipationskomponente ergänzt werden.
  4. Akzeptanz hängt nicht nur von Fakten ab und sie lässt sich nicht (allein) durch Informationen verbessern. In einer offenen Gesellschaft erwarten die Menschen, zentrale gesellschaftliche Fragen mitzubestimmen. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass bei einer entsprechenden Befassung eine Urteilsfähigkeit entstehen kann, die eine angemessene und sinnvolle gesellschaftliche Debatte ermöglicht. Angesichts begrenzten Interesses und Wissens ist dies eine anspruchsvolle Herausforderung für Politik, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und Medien.


Die Autorin und die Autoren

Dr. Norbert Arnold (Konrad-Adenauer-Stiftung)
Dr. Hans Frieß (Ipsos)
PD Dr. Jochen Roose (Konrad-Adenauer-Stiftung)
Caroline Werkmann (Ipsos)

Den gesamten Bericht zur Studie finden Sie weiter unten im PDF.

Autor(en)

  • Dr. Hans-Jürgen Frieß Ipsos UU, Germany
  • Caroline Werkmann Research Executive IUU

Mehr zu

Gesellschaft