The Future of Ageing. Spannungsfeld Älterwerden

Ist unser Blick auf die späte Phase im Leben noch angemessen? Reflektionen über die „Neuen Alten“ als vernachlässigte Generation.

Autor(en)

  • Diana Livadic
  • Jens Siemers
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EIN KURZER BLICK IN DEN RÜCKSPIEGEL:THE FUTURE OF AGEING, DAMALS

1965 schrieb Pete Townshend von The Who einen Hauptsong der klassischen Jugendrebellion: „My Generation“. Anno 2019 hat die Band nach 13 Jahren wieder ein Album veröffentlicht und ist fleißig auf Tournee. Wenn heute der Sänger der Band, Roger Daltrey, 75jährig die berühmten Zeilen „People try to put us down / Talkin´`bout my generation” intoniert, ist es dann eine Textpassage gegen Altersdiskriminierung? Der Blick zurück auf die frühere Jugendkultur lohnt deshalb, weil in späten 50ern und frühen 60er Jahren eine neue Zielgruppe entdeckt wurden: Die Teenager. Gezielte Ansprachen und eigene Produkte wurden erfolgreich für sie und ihre Bedürfnisse entwickelt. Zudem hat sich die Gesellschaft schrittweise gewandelt und auch rechtliche Rahmenbedingungen für diese Gruppe angepasst (z. B. die Volljährigkeit mit 18). Viele dieser Jugendlichen – die heutigen Baby Boomer – sind es, die es nun ein zweites Mal zu entdecken gilt, nämlich als die „Neuen Alten“.

 

WIR WERDEN IMMER ÄLTER

Der demographische Wandel als Schlagwort ist allgegenwärtig. Oftmals wird dabei etliche Jahre in die Zukunft geblickt, etwa wenn die UN hervorhebt, dass im Jahre 2050 jeder fünfte Erdenbürger älter als 60 Jahre sein wird. Betont wird besonders, dass dies gerade Industrienationen betrifft. So sollen dann laut UN 38 Prozent der Deutschen und in „super-ageing“ Japan gar 42 Prozent der Bevölkerung das siebte Lebensjahrzehnt erreicht haben.

Ipsos hat sich im Rahmen der multinationalen Studie „Future of Ageing“ und im Zuge vertiefender nationaler Untersuchungen mit den Implikationen einer alternden Gesellschaft beschäftigt: Welche Herausforderungen und welche Chancen birgt dieser „Age-quake“? Und wie kommt es, dass in Deutschland 52 Prozent der Aussage „Das Älterwerden bereitet mir Sorgen“ zustimmen, während nur 19 Prozent dieser Aussage nicht zustimmen?

 

„THE FUTURE OF AGEING” BEGINNT JETZT

Das allgemeine, fast diffuse „Wir werden immer älter“ hat in Deutschland ein Gesicht, genauer gesagt viele Gesichter: Es wird von einer bestimmten Gruppe getrieben: den geburtenstarken Jahrgängen oder in Begriffen von Generationen ausgedrückt: Von den Baby Boomern. Diese Kohorte altert durch und wir müssen nicht bis 2050 warten, bis dies in Deutschland zu massiven Veränderungen führt. In den letzten zehn Jahren wurden die geburtenstarken Jahrgänge schlicht von Forty- zu Fifty-Somethings. Noch im Berufsleben stehend, trugen sie aber weiter dazu bei, dass die Bevölkerungspyramide in Deutschland recht stabil blieb und dass sich kaum größere Auswirkungen innerhalb der Gesellschaft zeigten. Zugleich minderte der schrittweise Anstieg des Renteneintrittsalters den Anstieg der Rentnerzahl etwas. Aber in den nächsten zehn Jahren wird es in Deutschland erstmals mehr über 60jährige als unter 30jährige geben. Allein in diesem Zeitraum erreichen etwa 12 Millionen Deutsche das Rentenalter, während nur etwa 7,5 Millionen in die Volljährigkeit (und sukzessive das Arbeitsleben) eintreten. Was heute schon als Fachkräftemangel diskutiert wird, wird sich vehement verschärfen.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Anhang in unserem neuen Ipsos Point of View.

Autor(en)

  • Diana Livadic
  • Jens Siemers

Gesellschaft